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Internierung deutscher Zivilisten im II. Weltkrieg in den USA

Die Internierung deutscher Zivilisten in den USA ist immer noch ein weitgehend unbekannter Teil der Geschichte, in Deutschland mehr noch als in den USA selbst, denn nach den Protesten und folgend der Anerkennung der Unrechtmäßigkeit der Internierung japanischer Zivilisten protestierten auch Deutschstämmige, denn sie waren US-Bürger. Dennoch gibt es immer noch weder Anerkennung noch Entschuldigung aus den USA. Bezüglich der Japaner hingegen gilt bereits:  ” Zumindest die Internierung bereits eingebürgerter oder schon als Amerikaner geborener Personen wird heute allgemein als rassistisch motivierter Bruch des Völkerrechts und der Menschenrechte angesehen, da es sich bei ihnen eben nicht um „Angehörige feindlicher Staaten“ handelte und die weit überwiegende Mehrzahl auch in keiner Weise den japanischen Krieg gegen die USA unterstützte.” (Wikipedia)

Diese Geschichte ist keineswegs so vergangen, wie es scheint. Es gibt eine Menge Lager, scheinbar harmlose wie tödliche wie in Nord-Korea und alle möglichen Kategorien dazwischen, man denke nur an die schlechten Nachrichten über Flüchtlingslager in Griechenland. Allen gemeinsam ist eines: hier werden Menschen gefangen gehalten, ohne Recht und Gesetz und damit auch ohne jede Möglichkeit, gegen ihre Gefangenhaltung vor irgend einer Behörde oder einem Gericht protestieren zu können. Solche Lager, in denen Menschen nur aufgrund eines gemeinsamen missliebigen Merkmals konzentriert werden, eben Konzentrationslager, existieren im rechtsfreien Raum. Für sie gelten noch nicht einmal die minimalen Bedingungen, die die Genfer Konvention inzwischen für Internierungslager vorsieht.

Nicht vergessen werden darf hier das immer noch existierende Lager Guantanamo. Es ist kein Zufall, dass besonders energisch und glaubwürdig auch deutsche ehemalige Internierte und ihre Angehörigen protestierten – sie konnten schließlich am besten nachempfinden, wie es ist, wenn man per Zufall in die Mühlen kriegerischer Auseinandersetzungen gerät, mit denen man gar nichts zu tun hat.

Camp Kenedy, LuftbildCamp Kenedy, LuftbildDie weit überwiegende Mehrheit der internierten Deutschen waren keine “Enemy Alien“, keine “feindlichen Ausländer”. Das war, gerade was die USA betraf, nur eine Ausrede, denn tatsächlich fungierten die Deutschen als Handelsware im Austausch von Kriegsgefangenen. Über die “Zensierte Geschichte der Internierung” schrieb der Amerikaner Joseph E. Fallon: “Der offenkundige Grund für die Internierung von Lateinamerikadeutschen in den USA war der, dass Washington so mehr Leute für den Austausch hatte” (für in Deutschland bei Kriegsbeginn internierte US-Bürger und Lateinamerikaner). Über die Inhaftierung entschied einzig der Pass, und da auch deutsche Juden einen deutschen Pass hatten, wurden sie erst einmal mit ins Lager verschleppt und nur der entschiedene Einsatz amerikanischer Hilfsorganisationen konnte verhindern, dass sie gleich den anderen Deutschen wieder per Schiff – der unter der Flagge des Internationalen Roten Kreuzes fahrenden Gripsholm .- nach Deutschland repatriiert wurden. Allerdings hat Fallon einen schlimmen Verdacht: “Die verfügbaren Daten deuten stark darauf hin, dass die Regierung der Vereinigten Staaten wissentlich jüdische Lateinamerikadeutsche als Teil dieses Programms zu den Nazis ausgeliefert hat.” Was natürlich auch ein guter Grund ist, an der Sache nicht zu rühren.

Camp Kenedy, HaupteingangCamp Kenedy, HaupteingangDass in diesen Lagern auch gekidnappte deutsche Juden aus Lateinamerika saßen, ist unbestreitbar. Nach den American Jewish Archives waren sie sogar in Lager in den USA verbracht worden, in denen überführte Nazis saßen, was natürlich alles andere als ein erträglicher Aufenthalt war. Rabbis und Hilfsorganisationen versuchten, sie da heraus zu holen, im Zweifel baten sie um Verlegung nach Camp Kenedy, in dem auch mein Vater gefangen war. Dort saßen zwar auch nicht unbedingt zart besaitete Seeleute ein und es flogen schon mal die Fäuste, aber wenigstens keine Nazis.


Mein Vater , Otto Karl Johann Pinnow , geboren im Jahr 1908, war der jüngste Sohn einer Bauernfamilie aus Mecklenburg. Er machte eine Lehre als Maschinist und zog nach Hamburg, um dort zu arbeiten. Dies tat er für die bekannte Firma ” Blohm & Voss “, ein Werft und Maschinenbau-Unternehmen. Es ist auch heute noch ein weltweit führendes Unternehmen in der Fertigung, Teil des Thyssenkrupp Marine Systems . Dann fuhr er mit der Reederei Woermann zur See, verdiente genug Geld, um für seine Weiterbildung zu sparen und studierte auf Schiffsingenieur. Danach fuhr er als Schiffsingenieur wiederum auf Frachtschiffen von Woermanns Ost – Afrika – Linie.