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Was sind eigentlich Semiten?

Nein, wir müssen nicht zu Adam und Eva zurück gehen.

Aber zu Noah.

Nach der Sintflut – die Geschichte wurde übrigens weitgehend von den Babyloniern übernommen – überlebten drei Söhne, Sem, Ham und Japhet, die Stammväter der gesamten Menschheit sein sollten; bibeltreue Christen verteidigen diesen Glauben immer noch, also wiederum: glaube keiner, das sei uralter, längst vergessener Kram.

Die Tora hat eine Stammtafel, wonach alles, was die Hebräer damals an Völkern kannten, auf Sem, Ham und Japhet zurück geführt wurde: auf Sem sie selbst und anerkannte Verwandtschaft, auf Ham alles, was dunkelhäutig war und dazu die Kanaäniter, Japhet alles, was im Westen wohnte. So mal grob eingeteilt. Diese Einteilung hielt sich in der Wissenschaft bis in die frühe Neuzeit.  Mit der Entdeckung anderer Kulturen, China, Japan, Indianer, dürfte jedoch auch diese ‘Völkerkunde’, wie manch andere biblische Glaubenslehre, unglaubwürdig geworden sein.

Kommen wir erst mal zu Ham, dessen angebliche Nachkommen hatten nämlich am meisten zu leiden. Ham soll in Noahs Zelt gegangen sein, als dieser schlief: nackt. Ob dies ein beschönigender Übersetzungsfehler ist, hat wenig Bedeutung für eine mindestens 2.500 Jahre geglaubte Geschichte, entscheidend ist: Ham wurde dafür verflucht und – schwarz gemacht, also dunkelhäutig. Wie auch all seine Nachkommen. Wobei dunkel ursprünglich wohl relativ zu sehen ist, denn als Hamiten galten den alten Hebräern auch die Kanaäniter, also mit Vorväter der Palästinenser, was praktischerweise zu der Empfehlung führte, solch verfluchte Leute könne man ohne weiteres tot schlagen. Zwar dürften die Äthiopier noch um einiges dunkler gewesen sein, waren aber befreundet, also Semiten. Eben relativ. Fragen wir besser nicht danach, inwieweit dieser ‘fromme’ Glaube bei jüdischen Fundamentalisten immer noch gelten könnte.

Die Christen übernahmen das natürlich. Das Ergebnis war bestenfalls der Sarotti-Mohr, denn zum Fluch gehörte, dass Hams Nachkommen den Nachkommen der anderen Brüder auf ewig zu dienen hätten. Die religiöse Rechtfertigung der Sklaverei in den USA, hoch und in Ehren gehalten insbesondere vom frommen Ku Klux Klan. Und auch diesen Glauben gibt es immer noch in den USA, denn erstens gibt es dort eine vielleicht nicht unbeträchtliche Anzahl evangelikaler Fundamentalisten und zweitens dürfte es manchem immer noch als praktisch erscheinen.

Der nächste ist Japhet. Den ordneten auch die Europäer sich selbst als Stammvater zu. In der Blütezeit des Kolonialismus fasste ein russischer Forscher dann gleich auch noch alle Völker bis nach Fernost unter die angeblich überlegenen Japhetiten, die alles besser können sollten. Was die Sowjets übernahmen und mit allerlei abstrusem Zeugs versahen, bis 1950 Stalin den Unfug mit einem Machtwort beendete. Denn es war reiner ideologischer Unfug. Aber auch nicht ganz folgenlos: der Eurasianismus des Faschisten Dugin wird auch von solchem Unfug beeinflusst sein – freilich nicht in linguistischer Hinsicht.

Das einzige, was sich in der Wissenschaft gehalten hat, sind die Semiten. Als Sprachfamilie. Siehe Semitistik, vor allem eine Sprachwissenschaft. Freilich stellte man bald fest, dass die biblische Einteilung nicht haltbar war: auch die alten Kanaäniter waren eindeutig Semiten. Semiten waren vor allem die alten Völker, wie Babylonier und Assyrer; ein anständiger Semitist muss Keilschrift können. Heute gibt es außer kleineren syrischen Enklaven (nicht mit Syrien zu verwechseln! Dort spricht man Arabisch!) als gesprochene semitische Sprachen Arabisch, Maltesisch und das wiederbelebte Hebräisch.

Wie kommt da nun die Rasse hinein? Na ja, wissenschaftlich überhaupt nicht. Wer auch nur ein bisschen Ahnung vom Alten Orient und seinen Entwicklungen bis heute hat, weiß, da von Rasse zu sprechen ist völliger Quatsch. Zumal die ursemitische Sprachfamilie wohl aus Ostafrika kam und sich dann von der arabischen Halbinsel aus in einer Völkerwanderung über den nahen Osten ausbreitete. Ja, nach neueren Forschungen kamen auch die Hebräer ursprünglich von der arabischen Halbinsel. Und wer ein bisschen von beiden Sprachen, Arabisch und Hebräisch, weiß, der weiß auch, wie nahe verwandt die miteinander sind. Hinzu kommt, alles, was um’s Mittelmeer herum sitzt, enthält grundsätzlich alles an Völkern, was da jemals durchgezogen oder untergegangen ist. Wenn wir schon von Genen reden, dann dürfte in so ziemlich jedem Juden ein Fitzelchen Babylonier stecken – in so ziemlich jedem Araber allerdings auch.

Nun haben die Juden allerdings (Antisemitismus, Tradition des christlichen Abendlandes) die ‘falsche’ Religion. Ausgehend von der Französischen Revolution verlangte das im wissenschaftsgläubigen 19. Jahrhundert nach wissenschaftlicher Unterfütterung, um glaubwürdig zu bleiben, vor allem aufgrund der einsetzenden Säkularisierung. Den alten Sem behielt man dabei natürlich bei und wollte hinfort von Semiten reden. Das allerdings hielt sich noch nicht mal bis Mitte des 19. Jahrhunderts, denn Semitisten und Altorientalisten gab es damals schon und die hielten es mehrheitlich für völligen Blödsinn, den Juden aus religiösen Gründen zugeschriebene negative Eigenschaften von Assyrern, Babyloniern und Arabern zu behaupten, immerhin große alte Kulturvölker. Von wegen Schmarotzer ohne eigene Kultur – das ging nicht. Also sollten hinfort nur noch die Juden Semiten sein, was selbstverständlich genau so wenig ging. Aber Altorientalistik und Semitistik sind Orchideenfächer, und wenn die auch den ganzen Semitenkram bis auf die gemeinsame Sprachfamilie nie anerkannten, bis zum ahistorischen, pseudowissenschaftlich orientierten ‘Normalbürger’ dringt so was nicht durch. Nichts desto trotz brachen sich manche dieser Pseudowissenschaftler gewaltig einen ab, den Juden irgend etwas Rassisches zuzuschreiben, irgend welche genetisch bedingten Bosheiten. Bis hin  zum Gegenteil einer Rasse: für einige ‘Antisemiten’ sollten nun auf einmal die Juden deswegen böse sein, weil sie eben nicht reinrassisch seien, sondern ein Gemisch – vor allem mit hohem Anteil der angeblich noch böseren Armenier. Was sich allerdings auch nicht durchsetzen konnte, die Armenier waren ja Christen, ging also nicht. Hier muss ich um verstehendes Verzeihen bitten: so schrecklich die Konsequenzen auch waren, aus wissenschaftlicher Sicht kann man einfach nicht anders, als sich über den Semiten-Quatsch lustig zu machen.

Am Ende hatte sogar Goebbels ein ‘Einsehen’ und verkündete: „Die deutsche Politik richtet sich nur gegen die Juden, nicht aber gegen die Semiten schlechthin. Es soll stattdessen das Wort anti-jüdisch gebraucht werden.“ So war er denn auch offiziell quasi wieder gekehrt, der alte christliche Hass auf nicht missionierbare andere Religionen.

Auch, wenn der Begriff “Antisemitismus” noch so gebräuchlich sein mag, mit etlichen Orientwissenschaftlern bin ich dagegen. Das Wort ist vollkommen unsinnig und falsch und verkleistert nur die Realtitäten. Es lenkt davon ab, sich mit den tatsächlichen historischen und kulturellen Tatsachen zu befassen und führt nur dazu, Probleme unserer Kultur nicht anzufassen, die nach Kritik und Bewältigung schreien.

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Nazi, modernisiert

Was machen die Nazis?

Sie sind weitaus moderner geworden und haben sich so an den Zeitgeist angepasst, Autonome Nationalistendass es manchem schwer fallen dürfte, sie im Alltag zu erkennen. Jungnazis sind dazu übergegangen, Aufzug und Methoden der „autonomen Linken“ so zu kopieren, dass sie für einen Unbedarften oberflächlich kaum von ihnen zu unterscheiden sind. Nicht nur dem Namen nach („Autonome Nationalisten); wie sie („Rote Zellen“) organisieren sie sich in übers Internet locker vernetzten Zellen, bilden in Demonstrationen gewaltbereite „Schwarze Blocks“, adaptieren die Kleidung – gern schwarze Bomberjacke mit verhüllendem Palästinensertuch – schätzen Hip Hop und verkünden, es sei gleichgültig, welche Mode einer bevorzuge und wie lang seine Haare seien, Hauptsache, er sei dabei. Logos und Embleme werden einfach übernommen; statt „good night white pride“ heißt es dann eben „good night left pride“.

 

Nationaler Sozialismus

Autonome Nationalisten bezeichnen sich als Sozialisten; eben Nationalsozialisten. Sie ordnen sich dem ‚linken’ Flügel der NSDAP um Strasser zu. Kapitalismus, Imperialismus und Globalisierung stellen sie dar als perfide Methoden, die Völker der Welt unter das Joch des Kapitalismus zu zwingen. In der ehemaligen DDR dürfte das vertraut sein, obwohl die Autonomen Nationalisten eher aus dem Westen stammen sollen; ihr Hauptverbreitungs- und Aktionsfeld ist dennoch der Osten. Insbesondere die Globalisierung betrachten sie als die Endphase des Kapitalismus, die mit der Zerstörung der Nationen enden wird, wodurch die Menschheit wieder zum äffischen Status mutiert. Der Kundige denkt an Hitler: ‚wird der Jude siegen, so wird dieser Planet wie einst menschenleer im Weltall kreisen’ (lt. Rauschning, der solche Sätze zumindest gut und treffend erfunden hat.)

In ihren Publikationen reden sich nicht von Juden, doch es ist klar, wer gemeint ist: „Menschen denen Grenzen und natürlich gewachsene Nationen ein Dorn im Auge sind und es sich daher zur Hauptaufgabe gemacht haben, diese aufzuweichen und eine so genannte „Eine Welt“ zu errichten.“; „Wir haben erkannt, daß der nomadische Händlergeist keine Grenzen seiner Profitsucht anerkennt und daher kein Volk auf dieser Erde vor dem Schicksal der Vermassung sicher ist.“; „Es handelt sich bei der Globalisierung ganz allgemein um das planetarische Ausgreifen der kapitalistischen Wirtschaftsweise unter der Führung des Großen Geldes. Dieses hat, obwohl seinem Wesen nach nomadisch und ortlos, seinen politisch-militärisch beschirmten Standort vor allem an der Ostküste der USA.“ (nicht im Mittleren Westen, wohlgemerkt). „In der Massengesellschaft, die sich aus Nomaden-, Sklaven-, Mobilitäts-, Ausbeutungs- und Dekadenzgesellschaft konstituiert“ (die Quellen dieser Aussagen wurden zwischenzeitlich aus dem Netz entfernt); Mit den „Nomaden“ sind natürlich die Juden gemeint. Autonome Nationale sind streng antisemitisch.

An der Ostküste der USA gibt es bekanntermaßen einige alteingesessene Großbanken und Finanzunternehmen, die jüdische Wurzeln haben. Ebenso erwähnt werden gern Politiker – wie z.B. Wolfowitz – die jüdischer Herkunft sind, ohne allerdings auf eben diese Herkunft zu verweisen, denn das weiß man ohnehin. Beschäftigt man sich nun ausschließlich mit Finanzmagnaten und Politikern jüdischer Herkunft, so entsteht im Kopf leicht das Bild, dass es andere wichtige gar nicht gäbe, weil sie gar nicht erwähnt werden und wenn, dann nur unter “ferner liefen” als Masse.

Es gibt also einen klaren Zusammenhang zwischen Antisemitismus und nationalsozialistischem Antikapitalismus. Dem Kapitalismus wird die Absicht zugeordnet, den genormten, mobilen, jederzeit beliebig einsetzbaren Menschen ohne Individualität schaffen zu wollen, und zwar durch Globalisierung und Liberalisierung, was bedeutet, ihn auch durch Überfremdung mit Menschen anderer Herkunft (Ausländer) zu egalisieren und damit seiner Heimat, seiner Nationalität, seiner Kultur (darüber reden sie nach meiner Erkenntnis tatsächlich nicht, denn zu dem, was Hochkultur ausmacht, haben sie keinen Zugang. Kultur ist nun mal nichts Biologisches, unter Kultur verstehen insbesondere die meist doch recht kulturfernen modernen Nationalsozialisten eher Brauch und Sitte) zu entfremden.

Dieses nationalsozialistische Denken dürfte manch einem attraktiv erscheinen. Denn es ist ja tatsächlich so, dass es im Kapitalismus als Naturgesetz erscheint, dass der Mensch sich an die Wirtschaft, die zum gesetzgebenden Gottersatz wird, anzupassen habe, und wirtschaftlich am nützlichsten ist nun einmal der genormte, mobile Einzelmensch ohne Bindungen und ohne eigenes kritisches Denken. Während allerdings linksorientierte Intellektuelle fragen, was ist die Ursache und sich auf den mühsamen Weg wissenschaftlich orientierter Analyse begeben, fragt der nach Instinkt und Gefühl orientierte Antiintellektuelle, wer ist schuld, wer hat dies aus reiner Bösartigkeit fabriziert, und die Frage kann er immer beantworten, denn ein Schuldiger findet sich immer, wenn man einen finden will.

Nur ist der aus dem Hut gezauberte angebliche Schuldige keine Lösung. So hoffen auch Autonome Nationalisten auf durch völkischen Instinkt wiederbelebte nationale Solidarität, die jeden Deutschen “Deutschland zuerst” denken und vor allem fühlen lässt, den Industriellen wie den Gelegenheitsarbeiter. Das ist natürlich reine, haltlose Sozialromantik, und als ideale Utopie betrachtet sie anscheinend den patriarchalisch orientierten Ständestaat nach mittelalterlichem Vorbild. Dass dieses glückliche Ideal zerstört worden ist, betrachten sie als Schuld des Kapitalismus und damit der Juden.

An dieser Stelle wird klar, dass der Sozialismus der modernen Nationalisten, trotz häufig adaptierter Wortwahl, mit den Gedanken Karl Marx’ überhaupt nichts zu tun hat. Denn während Marx als Hegelianer die Gesellschaften aus ihrem Sein heraus analysierte, menschliches wirtschaftliches Handeln als Folge der Entwicklung ihrer Lebensbedingungen begriff („das Sein bestimmt das Bewusstsein“), betrachten Autonome Nationalisten den Kapitalismus als ein Instrument, als eine Waffe, erdacht, um durch Zerstörung der Völker und folgend die Entmenschlichung des Menschen (worunter sie freilich etwas anderes verstehen als Philosophen) die Weltherrschaft zu etablieren – mit Hitler gesprochen, die Weltherrschaft des Antimenschen.

Für moderne Nationalisten ist das gesellschaftliche System aus einem Sollen entstanden: es ist so, weil einer das so gewollt und geplant hat.

 

Volk und Nation

Der antagonistische Gegensatz zum „nomadisierenden Kapitalismus“ ist die Nation. Der Begriff sagt nicht viel, wenn nicht gefragt wird, was denn damit gemeint ist.. „Ein Volk wird zur Nation, wenn es sich seines politisch – kulturellen Eigenwertes bewußt wird und sein Dasein als selbstständige sichtbare Ganzheit bejaht“ (Politisches Lexikon der NPD, eine Fundgrube für moderne nationalsozialistische Ideologie) – die Nation als an sich seiendes Phänomen. Oder vielmehr nicht die Nation, sondern das Volk, denn die Nation sei ja erst das Produkt der Bewusstwerdung eines Volkes, das sein eigenes Sein versteht. Das tut es natürlich nicht – selbst Nationalisten erwarten das nicht. Verstehen kann nur der Mensch, nicht ein Volk. Doch der Mensch, der das Sein seines Volkes versteht, versteht es für sein Volk, er versteht eben mehr, er versteht den Sinn, und hat demgemäß auch den Anspruch, das Volk nicht nur als Nation, sondern auch in die Nation zu führen. Für das Volk bleibt „Das Volk liefert dazu den biologischen, geschichtlichen und kulturellen Ausgangspunkt.“ (NPD). Den Ausgangspunkt, mehr nicht.

Vergleichen wir diese Aussagen mit anderen Nationenbegriffen, z.B. dem französischen, erkennen wir, dass man fast von einer Umkehrung des Begriffes sprechen kann. Denn ursprünglich ist die Nation das Primäre, wie auch in dem alten Wort vom „Heiligen Römischen Reich deutscher Nation“. Dieses Reich umfasste fast ganz Europa und der deutsche Kaiser residierte schon mal in Sizilien. Es umfasste also eine Vielzahl verschiedener Völker – was aber nicht sonderlich interessierte. Denn das einigende Band war der gemeinsame Geist, demgegenüber die biologische Volkszugehörigkeit unbedeutend war. Vielfach wurde sie gar nicht so recht wahrgenommen: Thomas wurde in Aquin in Italien geboren, studierte in Köln und lehrte an der Sorbonne in Paris. Bis heute fragt niemand danach, ob und wo in Europa er nun In- oder Ausländer war. Und auch in Frankreich gilt, dass der Esprit die Nation ausmacht; die biologische Einheit des Volkes, die stellt sich auf die Dauer durch Vermischung von ganz alleine ein. Was ja nun auch Tradition in der Kulturnation Europa ist.

Doch nicht Sprache oder Religion, sondern genetisch begründete gemeinsame Einstellungen bewirken nach Ansicht der Nazis die Gemeinschaft, eben die Volksgemeinschaft. Die ist eine Naturgemeinschaft, nicht bewirkt und miteinander verbunden durch irgend etwas Geistiges, denn Sprache und Religion sind Geistiges.

Dennoch ist Individualität bei Autonomen Nationalisten ein relativ starker Begriff, der in den Gegensatz zur uniformen kapitalistisch geprägten Masse gestellt wird. Sie behaupten jedoch, Voraussetzung dafür, überhaupt Individualität entwickeln zu können, sei die Bindung an Volk, Heimat, Nation – also letztlich immer wieder Blut und Boden. Auch das sieht nach einem Widerspruch aus, neigen doch Nationalsozialisten bekanntermaßen dazu, sich zu uniformieren. Jedoch muss man das unter dem Aspekt betrachten, dass in einer so aufgefassten Volksgemeinschaft kein Grund besteht, die allen gemeinsamen natürlichen Instinkte aufgrund allgemeinen zivilisatorischen Geistes zu unterdrücken. Wenn Männer das natürliche Bedürfnis haben, sich mit Alkohol voll laufen zu lassen, dann wird dieses Bedürfnis in einer nationalsozialistischen Volksgemeinschaft anerkannt, da es allen gemeinsam ist. So gesehen kann in einer solchen Volksgemeinschaft jeder seine individuellen Bedürfnisse auch entfalten. Wenn einer gefühlsmäßig aggressiv auf Homosexuelle reagiert, dann betrachten Nationalsozialisten es als uniforme Gleichmacherei, wenn die Gesellschaft ihnen verwehrt, ihr individuelles Gefühl auch in der Praxis auszuleben, den Homosexuellen also zusammen zu schlagen. In einer nationalsozialistischen Gesellschaft hingegen ist das möglich, denn für die handelt es sich bei solchen Gefühlen um gesundes Volksempfinden, das auch ausgelebt werden sollte.

Die Deutschen als Mischvolk kommen bei Nationalsozialisten nicht vor. Wenn Mischung, dann ist diese durch die verwandten germanischen Stämme entstanden; das allerdings wird offenbar als legitim angesehen. Andere Mischungen dürften sie als illegitim erkennen im Sinne der Entindividualisierung, denn wer Individualität einzig auf die individuellen biologischen Anlagen bezieht, für den ist die Vermischung unterschiedlicher Anlagen (vorausgesetzt, die sind überhaupt von Bedeutung, was zu bezweifeln ist) entindividualisierende Gleichmacherei.

 

Theorie des Nationalsozialismus

Oft wird auf intellektuelle Mängel der nationalsozialistischen Ideologie hingewiesen. Verkannt wird, dass ihm intellektuelle Theorien gar nicht relevant sind. „Während zum Beispiel Kommunisten gezwungen sind, sich durch mehrere Bände von Marx und Engels hindurch zu kämpfen, um den Nachweis erbringen zu können, Kommunist zu sein, während Christen die Bibel und Muslime den Koran kennen sollten, ist unsereins oftmals Nationalist, ohne jemals Bücher über nationalistische Theorie gelesen zu haben. Man ist es einfach vom Gefühl her.“ (NPD Göttingen) Es geht darum, die Welt durch die Instinkte und Gefühle, die durch die reine Anschauung als biologische Reaktion ausgelöst werden, zu begreifen, den Menschen als rein biologisch funktionierende Rudeltier zu verstehen. „Der Nationalismus ist die politische Ausprägung des Territorialverhaltens und dient der Arterhaltung, also einem biologischen Grundprinzip. Nationalismus ist Fortschritt im Sinne der Evolution.“

Hier erkennen wir eines der zentralen Dogmen des Nationalsozialismus: es wird negiert, dass der Mensch ein zur Reflexion fähiges Wesen sei. Denn aus der Reflexion des eigenen Tuns folgt logisch zwingend die Abgrenzung gegen all das, was dieses Tun nicht ist und damit die Möglichkeit, dass es auch anders sein könnte. Und eben dieser Möglichkeit folgt die Wahlfreiheit, die Freiheit der Entscheidung: lasse ich das so, oder soll ich es anders machen? Damit aber kommt die Ethik ins Spiel. Denn von technischen Entscheidungen abgesehen ist die Frage, ob ich etwas so lassen will, so, wie der natürliche Ablauf der Dinge ist, oder ob ich da eingreifen will, im Kern immer eine ethische Frage: will ich das so, wie es ist? Das aber ist das spezifisch Menschliche. Die Ignoranz der Folgen der Reflexionsfähigkeit, nämlich die Willensfreiheit, ist immer die Ablehnung des Menschlichen schlechthin.

An die Stelle der durch die Reflexion gewonnenen Alternativen werden Gefühl und Instinkt gesetzt. So funktioniert der Mensch als biologisches Wesen, und so, nach Gefühl und Instinkt, soll er auch handeln. Freilich wäre das nur möglich, wenn er um seine Gefühle und Instinkte nicht weiß, denn sobald er das weiß, kann er sich auch anders entscheiden. Dieses Dogma enthält also einen Grundwiderspruch: wäre es tatsächlich so, wie das Dogma behauptet, dann wäre es gar nicht möglich sich zu entscheiden, dem Dogma zu folgen. Denn dann gäbe es gar keine alternative Handlungsmöglichkeit. Der Nationalsozialismus verlangt jedoch, dass diesem Dogma zu folgen sei und ist also von vorn herein auf einem Widerspruch aufgebaut.

Um das Dogma halten zu können, um die freie Entscheidung – und damit auch die lästige Verantwortung für diese Entscheidung – umgehen zu können, bedarf es einer Soll-Norm, einer übergeordneten Macht, der der Mensch um des eigenen Heils willen zu folgen hat. Diese normative Macht ist das So-Sein selbst. Der Mensch ist So-Seiendes im So-Sein, von ihm geschaffen, von ihm gehalten, und wenn er sich im So-Sein erhalten und sich seines Daseins erfreuen will, dann muss er sich in das So-Sein einfügen, muss seinem als Naturgesetz aufgefasste So-Sein folgen, denn andernfalls wird die Strafe der Natur fürchterlich sein: das Menschengeschlecht (wahlweise diese Rasse, dieser Stamm, diese Familie) geht zugrunde. Wobei es nach dem Willen der personifizierten Natur ganz normal und in Ordnung sein soll, wenn Menschengruppen sich gegenseitig ausrotten und zum Aussterben zwingen; was übrig bleibt, ist dann der – vorübergehende – Gipfel der Evolution, jedenfalls so lange, bis sich daraus wiederum Menschengruppen entwickelt haben, die sich wieder gegenseitig bekämpfen und damit die Evolution vorwärts treiben. Das ist nicht wissenschaftliche Evolutionstheorie, sondern Mythos, denn diese Gedanken basieren auf einem weiteren Dogma: dem Glauben an die personifizierte, wollende, planende, richtende Natur, die zu einem Gott erhoben wird. Deswegen ist es unverzichtbar, dass am Boden des Nationalsozialismus das Mythische steht, das Religiöse. Nazi geht nicht ohne Mythos und Religion.

Es ist dies ein klarer Rückschritt gegen die mindestens 2.500 Jahre alten Erkenntnisse menschlichen Geistes, der sich nämlich gerade von der reinen Betrachtung des So-Seienden (Physik) gelöst hat, nach seiner eigenen Erkenntnis- und Entscheidungsmöglichkeit und deren Ursachen kritisch fragt und zu dem Ergebnis kommt, dass es ihm nicht möglich wäre, das Einzelne zu erkennen, würde er es nicht stets als im Ganzen stehend anschauen, in der Welt, im Sein, im Einen.

Sich auf eine normative Macht zu berufen, ob dies nun das So-Sein der natürlichen Welt oder irgend ein Gott ist, ist freilich bequemer, denn die unangenehme Begleiterscheinung der Entscheidungsfreiheit ist die Verantwortung, und das ist die Ursache solcher Denkweisen: die Verantwortung wird gescheut. Am Boden steht die Feigheit. Die Feigheit, ein Mensch zu sein.

 

Nationalsozialismus und Antisemitismus

Für Nazis sind Juden kein Volk. Ein Volk bedarf ihrer Ansicht nach notwendig eines Territioriums, und die Juden haben keines, keines, das sie seit alters her bewohnen. Ihrer Ansicht nach sind es Nomaden, und Nomaden bilden keine Völker.

Oswald Spengler („Der Untergang des Abendlandes“), von dessen Denken die Nazis sich viel angeeignet haben, betrachtete Völker als eine Art mythisches Gewächs des Bodens. Ein recht alter Mythos, wenn wir an die griechische Sage von Deukalion und Phyrra denken. Die, von der Menschheit allein übrig geblieben, erhielten von den Göttern den Rat, die Knochen ihrer Mutter hinter sich zu werfen; nach einigem Rätseln fanden sie heraus, mit der Mutter sei die Erde gemeint, mit ihren Knochen die Steine. Also warfen sie Steine hinter sich und so entstand eine neue Menschheit.

Dass die Nazis den Juden diese Erdverbundenheit absprachen, erklärt Rauschning mit dem wie üblich gut erfundenen angeblichen Hitler-Zitat, wonach die Juden Antimenschen, Geschöpfe eines anderen Gottes sein sollten. Sie seien also nicht aus dem ‘richtigen’ mit Erde und Natur verbundenen Gott entstanden, sondern ein anderer müsse sie bösartigerweise von außen in die Schöpfung gesetzt haben. Wo sie nicht hingehörten .

Die ‘Abartigkeit’ der Juden wird also damit begründet, dass sie keine natürliche, genetisch bedingte Bindung an Volk und Boden hätten, wie ‘jeder normale Mensch’. Da sie aber behaupten, jeder normale Mensch auf der Welt habe eben diese Bindung, wäre die Konsequenz, dass es längst keine Juden mehr gäbe, weil verdrängt, wenn sie nicht die perfiden Instumente mosaische Religion und Kapitalismus erfunden hätten, um eben diese nationalen Bindungen aufzulösen.

Da Juden kein Volk bilden, können sie sich auch ihres Volkstums nicht bewusst werden, also auch keine Nation bilden.

Sie werden als eine Rasse betrachtet, und zwar als eine entartete, eben weil sie kein Volk auf einem festen Territorium bilden. Sie sind ein beständiger Fremdkörper in anderen Völkern, die sie wie ein Parasit zwecks eigenen Überlebens umformen und in ihren Dienst stellen Autonome Nationalisten (und auch die alte NPD) betrachten Kapitalismus, Liberalismus und Globalisierung als jüdische Strategie, die Völker umzuformen und so zu zerstören.

An dieser Stelle sei gesagt, dass moderne Nazis sich zumindest in Deutschland nur selten öffentlich klar antisemitisch äußern; sie fürchten das Strafrecht. Wer jedoch mit der alten nationalsozialistischen Ideologie vertraut ist, wird hinter ihren Aussagen unschwer den alten Antisemitismus wieder erkennen.

Ebenso wird das Wort „Rasse“ aus dem Sprachschatz in- und ausländischer Nationalsozialisten zunehmend gestrichen; es ist allzu übel beleumdet, nicht nur in Deutschland, sondern z.B. auch in den USA. Im Gleichzug wird ein anderes Wort zunehmend populär: Ethnie, ein Wort aus der Völkerkunde. In der Völkerkunde bezeichnet „Ethnie“ jedoch keine biologische, sondern eine soziale Gemeinschaft. Da aber Nationalsozialisten postulieren, dass es eine enge soziale Gemeinschaft außerhalb der Rassenschranken nicht geben kann, dient ihnen das Wort „Ethnie“ als identischer Ersatz für das Wort „Rasse“.

Antisemitismus läuft in erster Linie aber über die Religion. Nun wird echte Religiösität den Juden abgesprochen. Hier tat sich vor allem Otto Weininger hervor, selbst jüdischer Herkunft und von einer Nazi-Größe als der einzige ihm bekannte gute Jude bezeichnet – und der habe sich umgebracht. Statt dessen wird die Religion und mit ihr die humane Ethik überhaupt zur von den Juden erfundenen Lüge erklärt, die den gleichen Zweck erfülle wie Kapitalismus, Liberalismus und Globalisierung, nämlich, durch ihre naturfremden Normen die Völker zu zerstören und in die Sklaverei zu bringen. Denn die humane Ethik steht im Zweifel im Widerspruch zu den biologischen Gefühlen und Instinkten.

Die normale biologische Verhaltenssteuerung läuft vorwiegend über die Gefühle. Denen freilich oft Instinkte zugrunde liegen, z.B. die Revierverteidigung. So gesehen verhält sich der ordinäre Kleinstädter, der, wenn er einen Farbigen auf ‘seinem’ Bürgersteig sieht und diesen erst mal, aus dem Bauch heraus, also dem Gefühl, ‘anknurrt’, nicht anders als der Hund, wenn er einen anderen in seinem Revier antrifft (na gut – bei Weibchen ist auch Mensch etwas toleranter).

Problematisch ist die Sache dann, wenn Mensch zu dem Standpunkt kommt, dass genau dies, die biologischen Steuerungen und das ihnen folgende Handeln, gut und normal und richtig ist, hingegen die überlegte Entscheidung gegen ein solches Handeln naturwidrig, abartig und letzlich böse. Es ist dann eine Umwertung der Werte (dies nun allerdings wirklich ganz anders, als Nietzsche es meinte), nach der das Humane, das, was das eigentlich Menschliche ausmacht, als geistige Verirrung angesehen und entsprechend verfolgt wird. Als Quelle dieser ‘geistigen Verwirrung’, also des Humanums, gilt im christlich geprägten Abendland das Judentum mit seiner Thora.

So ist Antisemitismus nichts, was sich in irgend einer Weise durch das So-Sein oder das Verhalten der Juden begründen ließe, vielmehr steht das Judentum und seine Angehörigen als Urheber und Verkörperung der humanen Ethik, die es mit dem Judentum zu vernichten gelte. Denn die humane Ethik sei es, die die naturgewollte biologische Entwicklung des Menschen hin zum höheren Menschentum systematisch und absichtlich verhindere.

Der Niedergang des Christentums macht auch vor den Nationalsozialisten nicht halt. Auch wenn Himmler sich eine eigene esoterische Synkrasie zusammen baute und damit bei seiner SS missionieren ging, so beriefen sich doch die meisten Altnazis auf das – wenn auch ‘arisierte’ Christentum. Ihre modernen Nachfolger hingegen berufen sich eher auf das altgermanische Heidentum und akzeptieren das Christentum nur insoweit, als dass es germanisch beeinflusst ist (Julfest, Fest der Astarte, Polytheismus in Dreieinigkeit und Mutter Gottes usw.). Etliche behaupten, alle mosaischen Religionen strebten, wie der Kapitalismus, nach Weltherrschaft, und das läge am ihnen zugrunde liegenden Judentum.

„Warum denken diese religiösen Fantatiker eigentlich, dass sie mit ihren Wüstengesetzen bei uns im Europa, ganz speziell natürlich Deutschland und Skandinavien, eine Grundlage haben? Die Urreligion war das Heidentum, welches wir nicht in alle Welt exportieren; ganz zu Schweigen mit Gewalt durchsetzen wollen!“(Nordisches Hilfswerk)

Hier sei nochmals Spengler erwähnt. Der betrachtet die Geschichte als eine Abfolge großer Kulturen, entstanden aus einer großen Seele, die in den bodenständigen Menschengewächsen eines Gebietes plötzlich entstanden sei und sich allgemein verbreitet habe. Der antiken Kultur sei die magische arabische Kultur gefolgt, wobei er problemlos Juden und Perser zu den Arabern schlägt. Eine Neuerung der magischen Kultur sei gewesen, dass die Nation nun nicht mehr, wie in der antiken Kultur, sich auf die Polis oder die Region beziehe, sondern durch Menschen gleichen religiösen Glaubens konstituiert wurde. Ein Nationenbegriff, dem klassische Nationalsozialisten natürlich grimme feind sind. Das eigene ‘bodenständige’, nicht exportwillige und nicht exportfähige Heidentum erscheint da als nur konsequent.

So wird von ihnen auch behauptet, der nach Allwissenheit strebende Odin verkörpere doch viel eher germanisch-deutsche Mentalität als der christliche Gott. Der christliche Gott sei also etwas volksfremdes.

 

Ideologie und praktisches Handeln

Der Mensch ist des Feigen Feind. Denn der fordert den verantwortungsscheuen Biologisten dadurch heraus, dass er sich anders entscheidet. Er wählt also eine andere Alternative und zwingt dadurch den Biologisten zu überlegen, ob er sich nicht auch anders entscheiden könnte/müsste. Das allerdings passt ihm ganz und gar nicht. Und es reicht ihm auch nicht, diese anderen Entscheidungen als entartet oder krank abzuqualifizieren, denn die Herausforderung besteht ja darin, dass sie existieren. Letztlich gibt es für den Biologisten nur die Möglichkeit, dieser Herausforderung zu entgehen, indem er die Herausforderer mundtot macht. Denn wenn sie nicht mehr entscheiden können, hat er damit auch keine Probleme mehr. Gewalt ist also notwendige Konsequenz.

Autonome Nationalisten berufen sich auf die Theorie der NPD – falls sie sich überhaupt auf theoretische Erwägungen berufen, denn, wie gesagt, nötig ist das nicht; unreflektiertes biologisches Gefühl und Instinkt reichen völlig aus, denn sie werden ja als die im Einklang mit der Ordnung der Natur stehenden Impulse betrachtet. Jedoch ist das System ihres Denkens zu verstehen, um ihr Handeln zu verstehen.

Für sie ist das Volk eine biologische (rassemäßige) Einheit, beeigenschaftet mit gleichen Gefühlen und Impulsen; aus dieser Erkenntnis wächst das Bewusstsein der Nation. Die Nation ist erdverbunden wie das Volk (Blut und Boden), also ortsgebunden. Als solche verweigert sie Fremden Zutritt und Einfluss. Das Volk wird als ein Körper betrachtet – mit dem/den Führern als Kopf – dessen Zellen (der einzelne Mensch) nur innerhalb des Körpers Sinn und Bedeutung haben, nur in ihm lebensfähig sind und andererseits jeweils um des eigenen Daseins willen verpflichtet sind, den Körper gesund und in Funktion zu halten. Ein Gedanke, der im christlich geprägten Abendland sehr nahe liegt: die Kirche als der Leib Christi und Jesus als ihr Haupt. Dieser Körper wird nun systematisch und böswillig von denen zerstört, die genetisch bedingte Nomaden sind, nicht ortsgebunden und deswegen auch unfähig zur Entwicklung eines Nationalbewusstseins, das ihnen wesensfremd ist und die deswegen von den Nationen von der Erde verdrängt werden würden, also natürlich den Juden. Das ist der Hauptfeind; die Fremdenfeindlichkeit zwecks Reinhaltung von Volk und Rasse ist demgegenüber lediglich eine Art chirurgischer Operation. Aus der Existenzgefährdung des Körpers der Nation durch böswillige Zerstörung wächst die Überzeugung, notwehrberechtigt zu sein. Hier muss man sich klar machen, dass in der Notwehr alles erlaubt ist: auch Mord und Totschlag.

Aggressiv gegen andere Kulturen sind Nationalsozialisten jedoch nicht von vornherein, vorausgesetzt, diese Kulturen befinden sich in ihren eigenen Territorien obgleich die Auffassung der eigenen rassischen Überlegenheit natürlich durchschimmert. Internationales Ziel ist die Autarkie jedes Volkes und sein Verbleiben in seinem Territorium mit staatlich gelenktem Handel. Also ein Nebeneinanderleben bei möglichst hohen Grenzwällen. Aggression gegen Ausländer wird damit gerechtfertigt, dass es sich eben um völkische Notwehr gegen die vernichtende Überfremdung handle. Diese eingewanderten Ausländer sollen – zur Not durch Aggression – zur Rückkehr in ihre Heimatländer bewegt werden; politische Forderung sind “Rückführungsprogramme”.

Am 1. Mai 2008 gab es eine Demonstration, bei der lt. Einsatzleiter der Polizei nur mit großer Anstrengung verhindert wurde, dass es Tote gab – wegen der hohen Aggressivität des „Schwarzen Blocks“ der Autonomen Nationalisten (geschätzt 400 bis 600 Mann). Am 20. Juli 2008 wurde bei einem Überfall Autonomer Nationalisten auf ein Campinglager einer eher linksorientierten Jugendgruppe ein dreizehnjähriges Mädchen lebensgefährlich verletzt. Und vor wenigen Tagen wurde im Oberbergischen, mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls von Autonomen Nationalisten, ein Siebzehnjähriger nachts hinterrücks überfallen, zusammengeschlagen und liegen gelassen, weil der sich zu seiner jüdischen Herkunft bekannte. Das ist verdammt viel in wenigen Monaten, und ich fürchte, wir werden uns da noch auf einiges gefasst machen können, gegen das der islamistische Terror uns nur als ein mildes Säuseln erscheinen wird.

„Wir sind keine BRD-Patrioten, welche – im Stil von rechtskonservativen Parteien wie den Republikanern und auch der DVU – versuchen dieses System zu retten. Ein Staat, der seine Bürger tyrannisiert, unterdrückt und an freier Meinungsäußerung zu hindern versucht, kann nicht erneuert, sondern nur durch einen Volksstaat ersetzt werden.

Für uns heißt der Leitspruch klipp und klar: Revolution statt Reform! Kein Frieden mit den Feinden Deutschlands!“ (Autonome Nationalisten, Aktionsgruppe Rheinland)

 

Nationalsozialistische Internationale

Auch eine biologistische Theorie ist etwas Geistiges und somit nicht von der Biologie, der Genetik des sie denkenden Menschen abhängig. Eine Theorie, die die Gefühle des Menschentieres zum Ausgangspunkt hat, ist zwangsläufig universal, denn die biologischen Funktionen des Menschen sind allüberall gleich angelegt. Und so ist denn auch der Nationalsozialismus, obwohl er sich auf das eigene Volk, die eigene Rasse beruft, international verbreitet.

Ausgangspunkt Gefühl: das muss also da sein, damit die Verbreitung der Ideologie überhaupt einen Angriffspunkt hat. Es sind vor allem zwei Gefühle, die solche Angriffspunkte sind: zum einen die Existenzangst, ausgelöst durch eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Bedingungen, durch die man die eigene ruhige Existenz bedroht sieht und bei der nicht nach der Ursache, sondern nach dem Urheber gesucht wird; zum anderen ist es eine soziale Entwicklung, die einer sozialen Gruppe die als selbstverständlich geglaubten Privilegien entzieht. Beides ist meist miteinander gekoppelt. Für einen deutschen Schüler, der sich ‘den Türken’ gegenüber wegen ihrer andersartigen Sprache und andersartigen Kultur überlegen fühlt und ihnen großzügig ein paar Krümel vom Tisch der Bildung zu gewähren bereit ist, die er selbst jedoch nur als eine Art nicht lebensnotwendiges Schmuckstück betrachtet, ist die Welt so lange in Ordnung, wie seine türkischen Mitschüler seinem Klischee entsprechen. Aus den Fugen gerät sein Weltbild dann, wenn sie sich als echte Konkurrenz erweisen, wenn sie bessere Noten und damit bessere Zukunftschancen erbringen als er selbst. Er wird dann zwar diejenigen beschimpfen, die seinem Klischee entsprechen und das nicht tun, gemeint sind jedoch die anderen, die Erfolgreichen. Bei den Juden war das nicht anders. Als negativ augenfällig dargestellt wurden vorwiegend die vergleichsweise isoliert lebenden armen Ghettojuden. Die tatsächliche Stoßrichtung wurde jedoch unmittelbar nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten klar: Enteignung und Berufsverbote für die Konkurrenz.

Nach dem Mauerfall drangen Stimmen aus dem Osten die meinten, nun könne man im Westen ja die Türken nach Hause schicken, denn nun stünden ja sie, die Deutschen aus dem Osten als die besseren Arbeitskräfte zur Verfügung. Es war für sie eine tiefe Demütigung, dass Staat und Gesellschaft dieses Ansinnen nicht nur verweigerten, sondern sie auch noch recht brutal zur westlich-kapitalistischen Arbeits- und Wirtschaftslehre umzuerziehen trachteten, was bei den Türken nicht nötig war, denn die waren damit aufgewachsen und vertraut.

Bei dieser Gemengelage denkt man sofort an die USA, und in der Tat wird man da auch fündig. Traditionsgemäß geht der Angriffsstoß in erster Linie gegen die Schwarzen.

Die – lt. sächsischer Verfassungsschutzmitteilung – wichtigste Informationsseite der Autonomen Nationalen (was jedoch zu bezweifeln ist), nämlich Störtebecker-Netz, ist Host auf der US-amerikanischen Webseite “Altermedia“, gegründet als Gegenpol zu der bekannten linksorientierten Webseite „Indymedia“. Altermedia ist europaorientiert, außer Kanada und den USA hostet es Rechtsradikalen-Seiten aus ganz Europa bis hin zu Russland. Die Europaorientierung begründet sich dadurch, dass amerikanische Nationalsozialisten erwarten, aufgrund gleicher genetischer Herkunft dort auch das gleiche Denken zu finden, unterdrückt lediglich durch die internationalen politischen Verhältnisse. Der schlichte US-Nazi geht davon aus, dass die Europäer seinesgleichen und somit im Großen und Ganzen alle Nazis sind.

Während Obamas Wahlkampfes war die US-Version überschrieben mit dem Titel „Weltweite Nachrichten für Menschen mit Europäischer Abstammung“ – dazu ein blondes lachendes Baby. Wie nicht anders zu erwarten, ging es hauptsächlich gegen die Schwarzen. Mitteilungen über Obamas Wahlkampf waren mit einem grinsenden Schimpansen mit Banane dekoriert. Getreu unterstützt wurden sie natürlich von den deutschen Nazis, die die Endzeit kommen sehen, da ausgerechnet “Neger Obama” angeblich das Ende der deutschen Nation in Berlin verkündete.

Der Schimpanse mit Banane – für uns eine schlichte Beleidigung. Es steckt jedoch mehr dahinter.

Die Menschenaffenforschung ist für US-Nazis eine hoch interessante Angelegenheit, denn sie benutzen sie zur Rechtfertigung ihres Rassissmus. Jede neue Erkenntnis, ob die Beobachtung, dass Menschenaffen Werkzeuge gebrauchen oder ob man sich erfolgreich bemüht, ihnen rudimentäre Taubstummensprache beizubringen, ist für sie ein Beleg dafür, dass der Übergang vom Menschenaffen zum Menschen fließend ist, dass Werkzeuggebrauch und Sprachfähigkeit noch lange nicht den ‘richtigen’ Menschen charakterisieren. Folgt, wenn Schwarze sprechen und mit Werkzeugen arbeiten können, so hieße dies nicht, dass sie richtige Menschen seien. Tatsächlich nämlich handle es sich bei ihnen um eine eigene biologische Humanidenart, vergleichbar etwa dem Unterschied zwischen Homo sapiens und dem Neandertaler. Als Begründung für diese Behauptung wird nun allerlei heran gezogen, so z.B. auch, dass der genetische Unterschied zwischen Yorkshire-Terrier und Schäferhund geringer sei als der zwischen schwarzen und weißen Menschen – und Yorkshire-Terrier und Schäferhund seien ja nun eindeutig mit unterschiedlichen Fähigkeiten begabt.

Nun ist aber ein Schwarzer zum US-Präsidenten gewählt worden. An seinen Fähigkeiten könne das nicht liegen; er sei ja nur quasi so eine Art Menschenhybride. Der Grund für seine Wahl müsse also etwas anderes sein, und wen wundert’s, dass hier wieder unser alter Bekannter aus dem Hut gezogen wird: der Jude an sich. Der wird dann auch gleich als Urheber der Wirtschaftskrise ausgemacht, was ja nach dem alten Klischee auch naheliegt. So zitiert Altermedia im März 2009 einen längeren Artikel eines nicht genannten Autors, und zwar mit einem angeblichen Zitat aus ebenso nicht genannter Quelle: „“You know very well, and the stupid Americans know equally well, that we control their government, irrespective of who sits in the White House. You see, I know it and you know it that no American president can be in a position to challenge us even if we do the unthinkable. What can they (Americans) do to us? We control congress, we control the media, we control show biz, and we control everything in America. In America you can criticize God, but you can’t criticize Israel…” – ‘Sie wissen sehr gut, und die dummen Amerikaner wissen das genau so gut, dass wir ihre Regierung kontrollieren, gleichgültig, wer im Weißen Haus sitzt. Sie sehen, ich weiß und Sie wissen, dass kein amerikanischer Präsident die Macht hat uns entgegen zu treten, selbst dann nicht, wenn wir das Undenkbare tun. Was können sie (die Amerikaner) uns tun? Wir kontrollieren den Kongress, wir kontrollieren die Medien, wir kontrollieren das Show Business, wir kontrollieren alles in Amerika. In Amerika dürfen Sie Gott kritisieren, aber Israel können Sie nicht kritisieren …“ – die Nähe zu George Orwell ist beabsichtigt. Den zitiert Altermedia als Motto: „In einer Zeit allumfassenden Betruges ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen.“

George Orwell kann natürlich nichts dafür, dass er von Nationalsozialisten zitiert wird. Immerhin lässt sich auch daran die Adaption und Umformung sozialistischer Thesen hin zum auf Biologismus als Basis orientierten Nationalsozialismus erkennen; George Orwell war Zeit seines Lebens Sozialist, ausgesprochener Antibolschewist, aber ebenso ausgesprochener Antiimperialist und hätte sich wohl zu Lebzeiten nicht freiwillig von solchen Leuten als Motto zitieren lassen.

Schon die Nationalsozialisten erfreuten sich am ‘linken’ Gregor Strasser, holte er ihnen doch mit seinen sozialistischen Rufen die Arbeiterschaft. Auch unter den US-Nazis gibt es solche, die sich ausdrücklich als Sozialisten verstehen und sich durchaus auch der klassischen sozialistischen Literatur bedienen: Engels. Marx natürlich nicht, der war ja Jude. So wird denn Engels von ihnen zum eigentlichen und überlegenen sozialistischen Denker gemacht, der von Marx lediglich in seinem – jüdischen – Sinne verfälscht wurde und nun sozusagen im nationalsozialistisch gereinigten Gewande präsentiert wird. Galt den Altnazis noch der gesamte Sozialismus Marx’scher Prägung als perfides jüdisches Unternehmen zur Rassenvernichtung und damit zur Vernichtung des höheren Menschentums, so bedienen sich ihre modernen Nachfolger weitaus ungenierter an auch seinen Aussagen, die sie freilich ihrer grundlegenden systemtheoretischen Basis entziehen und ihnen statt dessen ihre eigene biologistische Basis unterschieben. Marx’ wissenschaftlicher Sozialismus bleibt als (Pseudo-)Wissenschaft bestehen, jedoch wird die ‘Wissenschaft’ ausgetauscht – gegen Genetik, Anthropologie und Humanbiologie. Auf dieser Basis lässt sich dann auch das Judentum, das aufgrund seiner genetischen und zivilisatorischen Bedingungen weiterhin die Weltherrschaft anstrebe, als Urheber des Kapitalismus darstellen. Wie schon gesagt: die systembedingte Ursache wird gegen den bösartigen Urheber ausgetauscht.

Doch auch das Judentum lässt sich ohne weiteres nationalsozialistisch interpretieren. Tatsächlich gibt es auch israelische Nationalsozialisten, es gibt sogar – wenn auch einzelne und von der Mehrheit abgelehnte – deutsch-israelische Nationalsozialistenbrüderschaften. Wobei ein zionistischer Nationalsozialismus durchaus nahe liegt, der Zionismus ist schließlich in der gleichen braunen K&K-Ursuppe entstanden, wie auch der Nationalsozialismus. Ebenso nahe liegt es, dass Zionisten die Behauptungen der Nazis, sie strebten nach Weltherrschaft, schlicht und einfach adaptieren und das nun tatsächlich, mit Begründung einer angeblichen rassischen Überlegenheit, auch tun – garniert mit dem alten Mythos des auserwählten Volkes, wobei sie sogar noch mit dem Judentum auf eine unveränderte nationale Religion verweisen können. Hier sind in erster Linie auch die Kahanisten zu nennen, die auch im Ausland sitzenden Anhänger des Rabbi Kahane und seiner Kach-Partei, deren Abkömmling die auch in Deutschland berüchtigte rechtsradikale Jewish Defense League ist.  In Israel selbst führte die von Staat und Regierung kaum behinderte Entwicklung nationalsozialistischen Denkens insbesondere unter orthodoxen Siedlern dazu, dass der israelische Schriftsteller Amos Oz sie nunmehr “hebräische Neo-Nazis” nennt.
Freilich müssen die Anhänger einer solchen Ideologie dann auch ihre eigene Religion ihres ethisch-geistigen Gehaltes entkleiden, doch da Nationalsozialisten das Geistige als nicht existent betrachten, dürfte ihnen das noch nicht einmal auffallen.

Neben nationalsozialistischen Tendenzen in manchen Spielarten des Neohinduismus – hier sei auch auf die Außenwirkung verwiesen, entsprechende neohinduistische Einflüsse bei zahlreichen Esoterikern wachsen sich bei ihnen nicht selten zu ausgesprochen nationalsozialistischer Denkweise aus – soll eine Region nicht vergessen werden, in der Nationalsozialismus offenbar zu einer gar nicht so kleinen gesellschaftlichen Kraft werden könnte: Australien. Die dortigen Nationalsozialisten scheinen sich eher an den US-Spielarten zu orientieren, jedoch scheinen sie davon zu profitieren, dass ihnen im australischen Staat weniger enge Grenzen zu ihrer Verbreitung gezogen werden als in den USA oder gar Deutschland und Frankreich, wo entsprechende Foren und Publikationen auch im Internet gesperrt werden, die jedoch außerhalb dieses staatlichen Einflussbereiches munter weiter veröffentlicht werden.

2009

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Antisemismus - Tradition des christlichen Abendlandes

Ursprünglich war das Christentum eine jüdische Sekte. Zu einer eigenen Religion formte es sich erst in Europa aus, im Westen unter römischer Herrschaft. Nicht umsonst heißt die katholische Kirche römisch-katholische Kirche.

Das Judentum ist ursprünglich eine Stammesreligion. Normal für alte Religionen. Universal war kaum eine. Der Gott eines Stammes, eines Volkes, einer Stadt war nun mal nur für seine Leute zuständig, die sich immer als das auserwählte Volk ihres Beschützergottes betrachteten. Nicht unüblich war auch das Verfahren der Römer: hatten sie ein Volk besiegt, wurden auch seine Götter in das römische Pantheon aufgenommen. Das verstärkte ihre Macht und ließ die Besiegten die römische Oberhoheit akzeptieren.

Das kollidierte natürlich mit dem jüdischen Monotheismus. Jahwe in das römische Pantheon übernehmen, womöglich noch als Statue – undenkbar für einen Juden. Ebenso undenkbar aber, die römischen Götter anzunehmen. Für die Römer bedeutete das nicht nur Ablehnung der Unterwerfung als Besiegte, sondern auch Ablehnung der überlegenen römischen Kultur und Zivilisation, ja, des ganzen Staatswesens. Juden waren Staatsfeinde und die Judenchristen selbstverständlich auch. Die ersten Christenverfolgungen waren tatsächlich Judenverfolgungen.

Paulus, Jude mit der Auszeichnung des römischen Bürgerrechtes und nach heutigem Maßstab Internationalist, machte den ersten wichtigen Schritt der Abgrenzung des Christentums vom Judentum: er behauptete einen neuen Bund mit Gott.

Der sogenannte Alte Bund war der Bund, den Gott mit Abraham als Stammvater des Volkes Israel schloss, bezeugt durch die Beschneidung. Was erklärt, warum kein frommer Jude je die Beschneidung aufgeben wird: es wäre Symbol für die Aufkündigung des Bundes mit Gott.

Der neue Bund des Christentums wurde durch Taufe und Abendmahl symbolisiert und verzichtete auf Beschneidung, die den Europäern fremd war und somit ein Hindernis bei der Missionierung gewesen wäre. Damit war auch jüdischerseits die Trennung vollzogen, denn unbeschnittene Christen waren für sie auf jeden Fall keine Juden.

Mit der Zeit arrangierten sich die Juden mit den Römern. Die Christen allerdings nicht, denn im Gegensatz zu den Juden erkannten sie sich einen göttlichen Missionsbefehl zu: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker …“ Damit wurden die Christen zu Staatsfeinden, die Gefahr mit sich brachten, das römische Imperium von innen aufzulösen.

Die Stimmung der frühen Christen lässt sich recht gut an der Offenbarung des Johannes ablesen und auch, dass sie keineswegs so friedfertig gestimmt waren, wie immer behauptet. Diese Offenbarung nämlich ist eine einzige große Rachephantasie, in der genüsslich beschrieben wird, wie Gottes Engel in Jesu Namen allerlei Plagen über die Ungläubigen ausgießen und insbesondere über die „große Hure Babylon“, also Rom. Doch auch die Juden kommen darin vor: 1/3 von ihnen soll errettet werden, weil die sich zum Christentum bekennen; die restlichen 2/3 sollen mit den Ungläubigen der Verdammnis überantwortet werden.

Früh also zeigte sich der Grundkonflikt zwischen Christen- und Judentum: die weit überwiegende Mehrheit der Juden ließ sich partout nicht zum Christentum missionieren. Und das rührt an die Fundamente des Christentums. Denn es verstand sich als die gute Botschaft – eu-angelon = Evangelium – für die ganze Menschheit, die die Menschen freudig annehmen würden, sobald sie ihnen verkündet würde. Gerade die Juden taten das mehrheitlich aber nicht; folgt: sie mussten verbohrt, verstockt, von Gott mit Blindheit geschlagen, als notorisch ungehorsam verdammt sein.

Notorisch ungehorsam hat seine Herkunft aus dem Judentum selbst. Die Eroberung durch die Römer war für die Juden ein schwerer Schock: Gott hatte ihnen den Schutz entzogen. Ursache mussten sie selbst sein, nämlich wegen ihres Ungehorsams den Gesetzen gegenüber, weswegen Gott den alten Bund zumindest teilweise aufgekündigt hatte. Das Urchristentum erkannte, dass diese Gesetze gar nicht einzuhalten waren, zumindest nicht von der ärmeren Bevölkerung, und auch schon mal der Menschlichkeit widersprachen, etwa, wenn am Sabbath auch Nothilfe und Krankenheilung verboten sein sollten. Daraus zogen die Urchristen den Schluss, dass der Mensch eben notorisch ungehorsam, sündig und verderbt sei, seit Adam und Eva, die Erbsünde war geboren. Und damit die notwendige Erlösung durch den Kreuzestod Jesu. Die Mensch nur in freudigem Glauben annehmen müsse, dann gehöre er zum neuen auserwählten Volk Gottes, was dann allerdings die Christen sein sollten. Die Juden verwarfen das, Schlussfolgerung: sie waren verworfen. Der alte Bund – nach christlicher Lesart aufgekündigt aus Gründen.

Die Christen sahen sich also als das neue auserwählte Volk. Und bildeten damit eine neue Nation, jenseits von Völkern und Kulturen, gestützt auf den gemeinsamen Glauben. Das christliche Abendland verstand sich als eine Nation, was sich erst mit Eroberungen und Kolonialisierung wirklich auflöste und zur Etablierung unserer heutigen europäischen Nationalstaaten führte. In der christlichen Nation war einer natürlich grundsätzlich nicht enthalten: die Juden. Das waren quasi Ausländer ohne echte Bürgerrechte. Dies änderte sich im Grunde erst mit der Ablösung Englands vom Kontinent und vor allem der französischen Revolution: zur Nation gehört jeder, egal, was er glaubt. Nicht jedoch in Deutschland, denn dort entstand vor allem im Osten der lutheranische Protestantismus, der, im Gegensatz zu anderen protestantischen Bewegungen, auch noch eine deutliche Tendenz zum Staatskirchentum hat. Luther aber war keineswegs so reformatorisch, wie es heißt. Seine Reformation war vielfach eine Rückkehr zu ursprünglichen christlichen Prinzipien. So ist nicht verwunderlich, dass er auch die alt-christliche Judenfeindlichkeit predigte.

Man halte das nicht für uralten Kram. Dies alles sind Überzeugungen, die sich nicht selten bis heute gehalten haben, denn sie liegen im logischen System der christlichen Religion. Wenn dies wegen des Holocausts heute kaum noch offen gesagt wird, so bedeutet das nicht, dass die jahrhundertealte Prägung einer ganzen Kultur, das berühmte christliche Abendland, nicht mehr vorhanden sei. Wie lebendig die notorische religiöse Intoleranz des Christentums noch ist, lässt sich unschwer an der Islamophobie erkennen. Denn auch Muslime lassen sich in weit überwiegender Mehrheit nicht freudig missionieren und müssen deswegen verblendet sein. Dem allerdings wird als Ursache das Wirken des Gottseibeiuns persönlich unterstellt; der nämlich habe Mohammed den Koran überbracht, um Gottes Plan der Christianisierung der Welt zu hintertreiben.

Wobei zu bemerken ist, dass die christlich-abendländische Kultur als allein seligmachend ohne weiteres auch von erklärten Atheisten verteidigt werden kann.

Satan als Gottes Gegenspieler anzunehmen, der Gedanke entstand allerdings im römischen Reich. Die Macht, die das Christentum ihm zuschreibt, hat er im Judentum nicht.

Die Römer waren an sich fromme Leute und diesem Umstand schrieben sie auch ihren Erfolg zu. Freilich kam mit den Eroberungen und dem Kontakt zu anderen Kulturen ihr Polytheismus unter Kritik. Speziell die griechische Philosophie nämlich hatte sich vom Polytheismus bereits abgewandt: bei Platon wurden die Götter, Nymphen usw. zu Ideen, abstrakte Existenzen, zu denen alles Konkrete strebt, und Aristoteles unbewegter Beweger gar, der Nous (Vernunft, Geist) war erstens nur einer und zweitens keine Person mehr. Entsprechend galt die Eroberung durch die Römer nicht als göttliche Strafe, sondern musste vernünftige Gründe haben. Als überlegene Geisteskultur waren die griechischen ‘Akademiker’ beliebte Lehrer insbesondere der römischen Oberschicht, trugen damit den Zweifel am Polytheismus ins Herz Roms und bereiteten den Boden für eine neue Religion. Allerdings sah es nicht danach aus, dass die das Christentum werden würde; viel populärer waren nämlich zunächst Religionen, die aus dem persischen Zoroastrismus entstanden waren, also Mithraskult und Manichäismus. Die waren noch zu Zeiten von Kirchenlehrer Augustinus die große Konkurrenz.

Nach Zarathustra herrschen zwei nahezu gleich starke göttliche Mächte über die Welt: der Gott des Guten, Ahura Mazda, der alles geschaffen hat, und der Gott des Bösen, Ahriman, der genau das alles wieder zerstören will. Zwischen beiden herrscht Krieg und der Mensch hat sich zu entscheiden, auf welcher Seite er in diesem Krieg kämpfen will. Natürlich auf der Seite des Guten, folgt, seine Gegner sind Anhänger der Macht des Bösen. Dieser Dualismus, heute Manichäismus genannt (obgleich Zarathustra erheblich älter ist als Manis Religion) wurde in das Christentum aufgenommen, insbesondere auch von Augustinus, der vor seiner Bekehrung zum Christentum Manichäer war.

Aufgenommen wurde er übrigens auch von der islamischen Schia, die ja vor allem im Gebiet des alten Persien verbreitet ist. Es ist also nicht verwunderlich, dass seinerzeit sowohl George Bush als auch Khomeini sich gegenseitig zu diktierten, dem Reich des Bösen anzugehören.

Wenn wir in christlichen Darstellungen auf heilige Drachentöter, tapfere christliche Ritter (Kreuzzüge) oder auch Heilige wie Jeanne d’Arc stoßen, so ist dieser Manichäismus die Wurzel: sie alle sind Heilige, weil sie furchtlos die Macht des Bösen bekämpften. Muss man sagen, dass dieser Macht des Bösen selbstverständlich auch die hartnäckig der Missionierung widerstrebenden Juden angehören sollten? Denen war folglich alles zuzutrauen: Brunnenvergiftung, Kinder schlachten, finstere Verschwörungen, bis hin zur planvollen Zerstörung des christlichen nationalen Volkstums und dem Anstreben des Sieges der Macht des Bösen vermittels jüdischen Finanzkapitals.

Wie schon gesagt, das sind alles keine uralten Sachen, das ist immer noch hoch aktuell.

Doch noch etwas ist zu erwähnen, was zur großen Feindschaft gehört: der Glaube.

Schon in den Evangelien – das früheste entstand ja erst ca. 50 n.Chr. und war keineswegs das populärste – ist eine klare Apologetik (Verteidigung) gegen das Judentum zu erkennen. Jede Menge Bezüge zur Tora sollten nachweisen, dass Jesus der dort versprochene Messias war, was freilich keinen jüdischen Schriftgelehrten überzeugen konnte. Das Vertrauen auf die Überlieferung, also die in der Tora gesammelte wahrheitsgemäße Darstellung der Vorväter, wurde ersetzt durch den Glauben, nämlich den Glauben an die Gottessohnschaft Jesu. Dieser Glaube musste allerdings blind sein, irrational, dem Kinderglauben vergleichbar, der dann auch gepriesen wird: „So ihr nicht werdet wie die Kinder …“ und durfte sich auf keinerlei rationale Beweise stützen. Hierfür steht die Geschichte vom ungläubigen Thomas, der erst, als er die Hände auf Jesu Wundmale legte, an die Auferstehung glaubte – selig sollte aber der sein, der ohne Beweis daran glaubt. Der ‘Beweis’ wurde nach innen verlegt: Christentum macht froh, wenn du glaubst, wirst du das schon erleben.

Vom Judentum aus betrachtet enthielt das Christentum allerdings gravierende Irrtümer, die es zu einer ketzerischen Irrlehre machten, als gravierendsten wohl der Kern des Christentums, der Opfertod Jesu. Denn nicht nur, dass Gott einen Sohn haben sollte, sondern dass er den auch noch zur Erlösung der Welt geopfert haben sollte, war und ist für einen Juden schlichtweg unmöglich. Der Bund Gottes mit Abraham: die Bereitschaft Abrahams, Gott seinen Sohn zu opfern, war nur ein Test seines Gehorsams gewesen. Tatsächlich nämlich sind Menschenopfer (nicht unüblich in alten Zeiten) für Gott abscheulich, schwere Sünde und folglich auch Abraham als rigoros verboten mitgeteilt. Dass Gott das, was er Abraham strikt verboten hat, nun selbst getan haben sollte, nämlich, in Jesus ein Menschenopfer darzubringen, war für Juden undenkbar; ein durchaus überzeugendes Argument, gegen das eben nur mit dem irrationalen Glauben anzukommen ist. Und damit, dass man auf Juden einfach nicht hört. Denn wer mit ihnen ernsthaft diskutiert, den könnten diese ‘Teufelsdiener’ von Glaube und Heil abbringen. Auch dies trug zur Exklusion der Juden wesentlich bei und bewirkte, dass das Judentum im christlichen Abendland nahezu die unbekannteste Religion wurde: mit der hatte man sich nicht auseinander zu setzen.

Der christlich-abendländische Antisemitismus hat also eine lange Tradition, ist tief in dieser Kultur verwurzelt und hat sie mit geprägt. Dieser Antisemitismus ist mit keiner anderen Kultur vergleichbar. Reibereien zwischen unterschiedlichen, in einer Region zusammen lebenden Religionsgemeinschaften sind durchaus normal und können immer wieder mal zu Konflikten führen; im dreißigjährigen Krieg zwischen Katholiken und Protestanten haben wir ja in Deutschland selbst ein Beispiel. Natürlich halten die Anhänger jeder Religion die ihre für die einzig wahre und blicken auf andere verächtlich herab, diskriminieren auch die Anhänger der ‘falschen’. Aber sie unterstellen den anderen eben nicht, prinzipiell teuflische Mächte zu sein, die auf Zerstörung und Verderbnis des Guten aus sind. Auch Katholiken und Protestanten verstanden sich gegenseitig als Volksverderber, aber eben aufgrund einer abgeirrten Religion und nicht, weil sie von Grund auf böse seien.

Der moderne Antisemitismus hat im Grunde nur noch eines hinzu gefügt, entsprechend dem zunehmend naturwissenschaftlich orientierten Weltbild: eine rassistische Begründung. Der mit zunehmender Säkularisierung nicht mehr so recht glaubwürdige Satan als die Juden treibende Macht wurde sozusagen in die Gene verlegt: nun sollten also die Juden aufgrund ihrer genetischen Disposition verblendet sein, nicht zum wahren Glauben finden, nicht zum Volk gehören und beständig danach trachten, die gute Mutter Natur zu zerstören. Eine mörderische Entwicklung, denn damit entfiel die Möglichkeit, die die Christen den Juden immer noch offen gehalten hatten: die Bekehrung. Beispielhaft hierfür die Ermordung von Edith Stein. Für Katholiken ein sinnloses Verbrechen, traf es doch eine fromme katholische Nonne; genau so gut hätte man Augustinus umbringen können, weil er mal Manichäer war. Für Biologisten freilich zählt eine solche Bekehrung gar nichts, denn gegen angeblich genetische Disposition hilft keine Missionierung.

Dieser ganze Antisemitismus ist natürlich vollkommener Blödsinn: Juden sind schlicht und einfach Leute, die einer anderen, konkurrierenden Religion anhängen und sich ansonsten in nichts von allen anderen Menschen unterscheiden. Doch um so alte etablierte Denkmuster aus den Köpfen zu werfen, muss man um ihren ideologischen Ursprung wissen.

(2013)

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Alexandr Dugins Eurasier

 

 

I. Die mystische Volksseele

„Ohne Zweifel: hier ist ein neues Volkstum im Werden, das durch ein furchtbares Schicksal in seiner Oswald SpenglerOswald Spenglerseelischen Existenz erschüttert und bedroht, zu seelischem Widerstand gezwungen sich festigen und aufblühen wird, leidenschaftlich religiös, wie wir Westeuropäer es seit Jahrhunderten nicht mehr sind und sein können, mit einer gewaltigen Ausdehnungskraft, sobald dieser religiöse Drang sich auf ein Ziel richtet. Ein solches Volkstum zählt die Opfer nicht, die für eine Idee sterben, wie wir es tun, da es jung, stark und fruchtbar ist…  Das schweigende Russentum der Tiefe hat bereits den Westen vergessen und blickt längst nach Vorder- und Ostasien hin, ein Volk der großen binnenländischen Ebenen, nicht der Meere.“
  So Oswald Spengler in einem Vortrag über Russland 1922.

Schon in „DerUntergang des Abendlandes“ meinte er, nach eben diesem Untergang könne das nächste tausendjährige Reich von Russland kommen. Und Alexandr Dugin ist, natürlich, Spengler-Fan. Wie alle Faschisten.  Dass Spengler zu den großen faschistischen Denkern gehört, sagt man heute nicht so gern, da auch Leute wie Henry Kissinger zu seinen Verehrern gehören. Ich sehe das anders. Selbstverständlich war Spengler Faschist; was denn sonst? Etwa Demokrat? Er war der große Geschichtsmystifizierer und nicht umsonst sind von ihm geprägte Begriffe, wie „Blut und Boden“ und „Tausendjähriges Reich“ fester Bestandteil mystischen faschistischen Denkens.

Dugin hält sich an Spenglers Fahrplan. Julius EvolaUnd an den von Julius Evola, den  „Operetten-Okkultisten“ und „faschistischen Guru“ (Umberto Eco). Spengler und Evola, man sollte sich diese Namen merken. Ihre Fans sind zumindest faschistoid, in aller Regel jedoch ausgewachsene Faschisten. Die Namen sind quasi Indikatoren dafür.

Spengler war der Ansicht, dass Kulturen eine Lebenszeit von 1.000 Jahren haben, in der sie entstehen, alles erobernd und beherrschend blühen und schließlich untergehen. Drei machte er bisher aus: die appolinische Kultur des Altertums, die sie ablösende magische der Juden und Araber (zu denen er allerdings großzügig die Perser zählte), die durch das Christentum auch das Römische Reich eroberten, und die faustische des Abendlandes. Spengler war Deutsch-Schweizer. Nun also die vierte: Russland.

Gaddafi war übrigens anderer Ansicht. Er meinte, das vierte Reich würde von der schwarzen Rasse getragen, als deren Führer er sich träumte. Faschisten träumen immer davon, Führer irgend welcher kommenden Weltreiche zu sein. Inzwischen allerdings sind seine Nachfahren auf Dugin eingeschwenkt, was nicht weiter verwundert, ist doch einer seiner einst eifrigsten Propagandisten, der National-Anarchist und Mathaba-Autor Welf Herfurth, ehemaliges NPD-Mitglied. Europäer bleibt eben Europäer.

Warum Russland? Ich vermute, wegen der Bauern. Die nämlich sind für Spengler die Träger der großen Kulturen, auch, wenn sie selbst von der von ihnen geprägten Geschichte unbehelligt bleiben und so leben, wie sie immer gelebt haben. Aber sie sollen eben die Keimzelle der großen Völker sein, ihr Blut soll aus dem Boden gewachsen sein, den sie beackern und aus dem letztlich die großen Wissenschaftler, Künstler und auch  Volksführer gewachsen sind. Es ist unbestreitbar, dass die Landschaft, die Umgebung, die Lebensumstände eines Menschen und auch einer sozialen Gruppe prägend sind. Sie gehören zu den Grunddaten, aus denen sich Weltbilder ergeben: das Sein bestimmt das Bewusstsein, stellte Marx fest. Hier nun mystifizieren Spengler und mit ihm alle Faschisten. Während für den Rationalisten das Sein oder vielmehr, das Seiende Input sind, Daten, die denkend kalkuliert und kombiniert werden, prägen sie für den Faschisten die sich irgendwo im unbewussten mythischen Dunkel verlierende Volksseele. Diese irrationale Volksseele wird zum Urgrund ihrer Theorien und liefert die Begründung für alles, denn da die Volksseele unbewusst sein soll, kann man auch alles mögliche von ihr behaupten, so als Seher und Prophet, als der sich faschistische Theoretiker so gerne sehen (hierzu auch: Was machen die Nazis?).

Das perfide AlbionNatürlich hat der Bauer auch für Dugin überragende Bedeutung. Der russische Bauer gehört unverzichtbar zur russischen Erzählung. Für ihn ist der Bauer der Ursprung aller Landmächte. Für die macht er gleich einen unversöhnlichen Gegner aus: die Seemächte. Seemächte ohne rechte Bindung an die Scholle, eigentlich Nomaden, fiese Händler. Wer die Seemächte sind, ist klar: in erster Linie die USA und dann natürlich „das perfide Albion“, also Großbritannien.

Große Erzählungen, ob wahr oder falsch, gehören zu den prägenden Kulturgütern und wirken so lange unbewusst, wie sie nicht in's Bewusstsein geholt werden. Im christlich geprägten Abendland gehören dazu die großen biblischen Erzählungen, die nicht selten noch älteren Ursprunges sind, also tief in archaische Zeiten zurück reichen. Hier hat Russland die gleiche religiöse Prägung, die auch Dugin aufgreift, wobei ich den Verdacht habe, dass es ihm weniger um Religion denn um Identitätsstiftung geht.

Zu diesen großen biblischen Mythen gehört die Erzählung von Kain und Abel, die den archaischen Konflikt zwischen sesshaften Bauern und Viehnomaden beschreibt. Wahrscheinlich geht sie zurück auf vor-sesshafte Zeiten der Juden, denn der Viehnomade Abel ist hier der Gute und Bauer Kain der Böse, der ihn erschlägt. Bauernvölker sehen das natürlich genau umgekehrt. Ein Bauernvolk waren die alten Perser, die zu diesem archaischen Grundkonflikt den Manichäismus beisteuerten: die Mächte der Finsternis, die es zu bekämpfen gilt, um dem Guten zum Endsieg zu verhelfen, sind immer die Fremdlinge, die aus dem wilden Busch in befriedetes Gebiet eindringen, um dort nach Beduinenart Razzia zu halten. Dieser Manichäismus wurde ins Christentum übernommen und richtete dort erhebliches Unheil an. Es ist kein Wunder, dass die Wertung, dass nämlich Abel der Gute sei, völlig verloren ging, hingegen der alte Konflikt zwischen (scheinbaren) Nomaden und Sesshaften unbewusst weiter wucherte, vor allem in der Erzählung vom heimatlosen „ewigen Juden“ und nun eben in Dugins  nomadischen Seemächten. Natürlich sind die Nomaden immer die Händler. Und nach Auffassung der Bauern tun die nichts. Sie produzieren nichts. Waren vom einen Ort zum anderen zu schaffen, sei keine Arbeit. Das sei Müßiggang und der ist bekanntlich aller Laster anfang. Da sie also nichts Produktives tun, überleben sie, indem sie von anderen – den Produzenten – schmarotzen und sie schamlos betrügen. Nein, es ist nicht nur der Jude. Der Pferdehändler ist genau so schlimm. Oder der Gebrauchtwagenhändler.

Die irrationale mystische Volksseele lässt sich also durchaus rational erfassen, wenn man sich mal mit den uralten Vorurteilen, Klischees und Erzählungen befasst, die seit Generationen zur Sozialisation in einer Kultur gehören. Solange die nicht ans Licht des Bewusstseins geholt werden, bieten sie natürlich eine Rechtfertigung für die Annahme einer instinktiven Volksstimme.

Hilfreich ist immer ein Vergleich mit ganz anderen Kulturen. So sehr man gerade auch in der arabischen Welt an der eigenen Scholle klebt, es ist nicht das Beackern, sondern der feste Standort, der sichere Stützpunkt in der Welt, was sie bedeutet. Denn der Gute, der ist in dieser Kultur gerade der Händler, der unter Gefahren tapfer auszieht, die Menschen mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen und dabei das Wissen um die Vielfalt nach Hause mit bringt. Während der Bauer der zurück gebliebene Stoffel ist, dessen Tätigkeitsbereich man am liebsten Sklaven überließ.

Horizons of RevolutionDugin aber sieht das ganz anders. Seiner Meinung nach vergiftet der Händlergeist der Seemächte die aufrechte Bauernmoral der Kontinentalmächte. Folglich sind die Seemächte zu bekämpfen. Und zwar von einem Zusammenschluss der beiden großen Kontinentalmächte Asiens und Europas: zu Eurasien.

Wenn wir gewinnen, werden wir mit der Expansion der (von den Amerikanern) befreienden Ideologie in Europa beginnen. Das ist das Ziel der vollen Eurasianismus ein Europa von Lissabon bis Wladiwostok. Ein großes kontinentales Eurasisches Reich. Und wir werden es bauen. Das bedeutet, die europäische Revolution wird die eurasische Revolution sein. Dies ist unser Endziel am Horizont.“ Dugin: Horizons of our Revolution from Crimea to Lisbon.

???????Ich verlinke auf diese Webseite als Quelle, weist sie doch auf das längst bestehende internationale Netzwerk der Faschisten hin. Denn dieses Logo der „New Resistance“ ist der „Green Star“, abgeleitet vom schwarzen Stern des ursprünglich britischen rechtsextremen National Anarchism . Mit Umwelt hat die Farbe freilich nichts zu tun; vielmehr soll der Stern eine „beständige Erinnerung an unseren Märtyrer und Inspirator, den Helden Muammar Gaddafi sein“. Der schwarz-grüne australische Ableger dieses Sterns wundert nicht, sitzt doch Welf Herfurth in Australien. Nun sind dies zwar, wenn überhaupt, Mini-Vereine. In diesem Falle jedoch mit schwer reichen Gönnern, denn es möge niemand glauben, dass all die Billionen, die Gaddafi auf die Seite geschafft hat, wieder beim libyschen Staat angekommen sind. Es dürfte reichlich und genug in dunklen Ecken hängen geblieben sein und auch weiter die zuverlässigen alten Freunde der Gaddafis finanzieren, zu denen insbesondere im Falle Saif el-Gaddafi die versammelte europäische Rechte gehört. Die Vermutung, dass mit libyschem Ölgeld die internationale Rechte finanziert wurde, dürfte nicht allzu weit hergeholt sein.

 

 

 

Von der imperialistischen Diktatur der Menschenrechte

Dugin in Südossetien 2008Dugin in Südossetien 2008Dugin feiert schon mal den Sieg in der Ukraine. Und verweist dabei auf Georgien. Und in der Tat sollte man die Ereignisse um den Kaukasuskrieg 2008 unbedingt hinzu ziehen, um das Muster zu erkennen, dem Dugins und damit Russlands, insbesondere Putins Politik folgt. Denn auch in Georgien kam es unter vergeblichen Versuchen der Einflussnahme durch die EU zu einer Abspaltung Abchasiens und Süsossetiens, sogar nach einem offenen Krieg mit Russland, und danach dem Wunsch, sich der Russischen Föderation anzuschließen. Diesem Wunsch gab Russland offenbar mit Rücksicht auf internationale Protest nicht nach; insofern ist die Annektion der Krim eine Ausnahme. Allerdings anerkannte es die Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens, außer ihm und einigen Südsee-Inselstaaten allerdings nur noch die treuen Verbündeten Nicaragua und Venezuela, also noch nicht einmal Weißrussland. Die Begeisterung, sich Russland wieder anzuschließen, hält sich offenbar in engen Grenzen. Immerhin können wir einen praktischen Aspekt der von Dugin propagierten multipolaren Welt ausmachen: Dugins Ideal könnte sein, dass dem einigen Großreich Russland eine Vielzahl an Kleinstaaten gegenüber stehen, die sich dann mit Russland zu dem Beginn einer eurasischen Union zusammen schließen; viel anderes bliebe ihnen ja auch nicht übrig.

Zeit zu fragen, wer Alexandr Dugin eigentlich ist.

Dugin als russischer Bauer 2004Dugin als russischer Bauer 2004

Geboren 1962 in Moskau als Sohn eines sowjetischen Geheimdienstgenerals, also in die Nomenklatura. Seine Ausbildung bleibt im Dunkeln. 1979 nahm er offenbar ein Studium am Moscow Aviation Institute auf, allerdings ist das eine technische Universität, bei der man als nicht-technische Wissenschaft höchstens Social Engineering lernen kann – nicht uninteressante Disziplin für eine mit dem Staat eng verbundene Einrichtung. Als Hauptinteressen angegeben wird jedoch nicht Flugtechnik, sondern Soziologie (sic!), Geopolitik und Philosophie.
Seit 1988 ist er hauptsächlich als Journalist und Publizist tätig, bemühte sich allerdings auch recht erfolgreich um Einfluss auf die russische Politik. Und übersetzte dazu die Werke der faschistischen Autoren Evola und Benoist ins Russische und gab sie heraus.
1998 bis 2004 war er Berater des Sprechers der Duma in strategischen und geopolitischen Fragen, erneut seit 2011, nämlich als Berater von Sprecher Sergej Naryshkin. 2000 gründete er die panrussische Eurasische Bewegung und wenn er reklamiert, dafür viel Zuspruch aus Kreisen des Militärs zu bekommen, so erscheint das nicht abwegig. Dazu ist Dugin auch noch Leiter der Abteilung Soziologie internationaler Beziehungen der Staats-Universität Moskau, also ordentlicher Professor. Ob Politik, Medien, Militär oder Wissenschaft, Dugin sitzt überall drin. Das alleine bezeugt schon seinen Einfluss auf Denken und Politik in Russland; mehr noch allerdings, inwieweit die russische Außenpolitik in ihren Entscheidungen seinen Vorstellungen folgt, denn sonst hätte er diese Positionen, die überlicherweise angeboten werden, nicht bekommen.

Dugin ist Ideologe. Für mich als Gegner des Religionsersatzes Ideologie durchaus ein Schimpfwort. Denn trotz aller Modernisierungsbemühungen bleibt Ideologie im Wesen immer noch Platons Ideenlehre verhaftet. Eigentlich hat damit ja schon Aristoteles abgeschlossen, der fragte, welches Problem dadurch gelöst würde, dass man die reale Welt um eine ideale verdoppele.
Ideen sind Ideale. Als Ideale sind sie positiv gewertet. Und zwar von dem, dessen Ideale es sind. Als politische Ideologie voran gestellt heißt das leider, dass die Prioritätensetzungen und Wertungen einer Gruppe oder gar nur eines Einzelnen für alle verbindlich gemacht werden. Ideale sind eben immer das Sollen, dem das als unvollkommen angesehene Sein nachzustreben hat. Was dann natürlich Diktatur ist: wer den verbindlichen Idealen nicht nachstrebt, ist eben ein Bösewicht, den es schlimmstenfalls zu eliminieren gilt, allein schon, um die behauptete Zustimmung Aller zu den verbindlichen Idealen nicht zu gefährden.

Dugins BuchSchön komprimiert hat man Dugins Ansichten in einem Interview, das er 2012 in Delhi gab. Anlass war, dass erstmals ein Buch von ihm in englischer Sprache erschien: Die vierte politische Theorie. Die drei anderen Theorien sind Liberalismus, Kommunismus und Faschismus. Allerdings ist dies auch für ihn nur euphemistisch. Faschismus hat überall einen schlechten Ruf, auch in Russland; immerhin hatten die Russen im unvergessenen „Großen Vaterländischen Krieg“ verlustreich gegen den Faschismus gekämpft. Deswegen verkauft er seinen Neo-Eurasianismus als vierte Theorie; dabei verkündete er seiner Jugendorganisation im Frühjahr 2014 selbst: „Wir hatten eine liberale Diktatur, deswegen wird die kommende Diktatur illiberal sein. Wir hatten eine Sowjetdiktatur, aber die ist jetzt lange vorbei. Welches wird die nächste sein? Ratet eine von dreien“ (Quelle: Schechowtsow). Diktatur ist also angeblich immer, dann kann es auch eine faschistische sein.  Schon daran zeigt sich das Geschäft, das er betreibt: politische Falschmünzerei. Er definiert Wörter um, die übel beleumdet sind, um so seine Ideologie, die solch übel beleumdete Inhalte hat, salonfähig zu machen.

Das Gleiche beim Begriff Nationalismus, der insbesondere bei Kommunistens einen schlechten Ruf hat, weil, Proletariat ist international (selbstverständlich ist der gesamte Ostblock auch weiterhin geprägt von den jahrzehntelang gelehrten sowjet-marxistischen Theorien). Ihn definiert er um: „Das Konzept der Nation ist ein kapitalistisches,“ eine „Vereinigung auf der  Basis des Individuums„. Welch erstaunliche Umdefinition das ist erkennt man, wenn man dem den typisch faschistischen, weil mystischen Nationenbegriff der NPD gegenüber stellt: „„Ein Volk wird zur Nation, wenn es sich seines politisch – kulturellen Eigenwertes bewußt wird und sein Dasein als selbstständige sichtbare Ganzheit bejaht“. (Politisches Lexikon der NPD). Genau darauf soll der Eurasianismus abzielen, auf die kulturellen und ethnischen Unterschiede.  Was den vom klassischen Nationalismus unterscheidet? Die mangelnde politische Relevanz solcher Nationen: sie könnten in einem Eurasien ihre Volkstänze pflegen, hätten aber ansonsten nichts zu sagen. Relevanz hat Russland als Gegenspieler der USA und Westeuropas in weltrettender Mission. Dugins Ziel ist es, alle Kräfte, die gegen „Postmoderne, Ultraliberalismus und Globalisierung“ sind, zu vereinen. Die Bündnispartner, die von ihm aufgezählt werden und um die Russland sich bemühen soll, sind: gegen den liberalen Kapitalismus gewandte linksradikale gesellschaftliche und politische Bewegungen, Identitäre, islamische und Hindubewegungen, dazu Buddhisten und, mit Rücksicht auf faschistische Denker wie  Benoist, Neo-Paganisten  und eben doch nationalistische Bewegungen der ganzen Welt. Also die klassische Querfront. Dazu lädt er die Rechte wie die Linke ein, alle, die was gegen die liberale Postmoderne haben.

„Die Idee ist, sie alle zu vereinen, gegen den einzigen Feind und das singuläre Böse, für eine Vielzahl von Konzepten darüber, was gut ist.“ Das ist der Pferdefuß an der Sache. Es geht um gut und böse und so hätten wir wieder unseren alten Manichäismus. Und die Abkehr vom kantischen Konzept, gut und böse auf allgemeine, rationale Grundlagen zu stellen, ausgehend von der Feststellung der Tatsache, dass die Menschen trotz aller kulturellen und sonstigen Unterschiede in ihrem Wesen gleich seien. Genau darauf, auf diese Gleichheit, berufen sich die Menschenrechte. Genau die betrachtet Dugin als Ausfluss kolonialistischer und imperialistischer Überfremdung, der er seine Pluralität der Werte entgegen stellt. Und das ist durchaus russische UN-Politik, und zwar seit 2009. Da nämlich brachte Russland einen inzwischen massiv abgeschwächten, aber verabschiedeten Antrag ein, „die Menschenrechte und Grundfreiheiten durch ein besseres Verständnis der traditionellen Werte der Menschheit zu fördern“ (zitiert nach Human Right Watch). Das Ziel ist klar: die Menschenrechte relativieren zu können.  Das ist kein Spiel, es kostet auch in der UNO durchaus Kämpfe, sie zu verteidigen und es ist damit zu rechnen, dass die Kämpfe nicht weniger werden.
Zum Symbol dafür ist der Umgang mit Homosexuellen geworden: zur Anerkennung einer Vielzahl von Konzepten darüber, was gut ist, gehört auch anzuerkennen, dass es gut sein kann, wenn eine Gesellschaft beschließt, sie als störend um die Ecke zu bringen. Damit ist Dugins Ideologie nicht antimodernistisch oder traditionalistisch, sondern anti-aufklärerisch.  Was mit den USA nichts zu tun hat, denn die gab es in der Blütezeit der Aufklärung noch gar nicht.

„Unsere Idee ist, dass unser Feind tiefer ist als das rein Menschliche. Das Böse ist tiefer als die Menschheit, als Gier und Ausbeutung. Diejenigen, die im Namen des Bösen zu bekämpfen sind, sind diejenigen, die keinen geistigen Glauben haben.

Das geht nun schon sehr tief zurück in die menschliche Geistesgeschichte.

Römischer Liktor mit FascesRömischer Liktor mit FascesBleibt der bei allen Irrungen und Wirrungen um Querfront und ihre zuweilen recht schwierigen Camouflagen der Lackmustest: wie haltet Ihr’s mit der Demokratie?  Diese Frage ist mehr als die nach einem x-beliebigen, austauschbaren politischen System. Demokratie ist untrennbar mit Aufklärung und Rationalität verbunden. Aus der Erkenntnis um die Wesensgleichheit aller Menschen folgt zwingend, dass die Demokratie die einzig menschenwürdige Regierungsform ist. Woraus sich umgekehrt schließen lässt, dass, wer Demokratie ablehnt, diese Wesensgleichheit eben nicht anerkennt.
Selbstverständlich hat Dugin für das „liberal-demokratische Westliche“ nichts übrig; er will es ja bekämpfen. In typisch faschistischer Manier bietet er dafür ein Surrogat an: eine Art Demokratie der Völker, die alle gleichberechtigt ihre vor-aufklärerischen und vor-rationalen Traditionen leben sollen.  Es ist davon auszugehen, dass er ihnen dabei in der faschistischen Staatenhierarchie genau so wenig Teilhabe an der harten Politik zubilligen will, wie diese ihren Bürgern zubilligen sollen.  Nach eben dieser harten Politik und ihren Strukturen frage man, wenn man Dugin von der Eroberung Europas träumen sieht:

„Wir müssen Europa erobern. Eingliedern und anschließen … Im Rahmen dieses globalen Römischen bzw. Dritten Römischen Reiches könnten wir den Europäern ein hohes Maß an Autonomie gewähren (wie nett!) … Die europäischen Werte könnten bei uns durchaus Anwendung finden, vorausgesetzt, die Europäer würden sie  bewahren.“

Spenglers Tausendjähriges Reich – da hätten wir es dann wieder.

 

 

Theorie und Praxis: Agitprop

Welt ArtikelZum Sieg von Cochita Wurst bei ESC, erschien  in mehreren Online-Medien ein Bericht mit dem Titel „Putin-Vertrauter geißelt Ethno-Faschismus , an dem sich schön darstellen lässt, wie Dugins Propagandatheorie in der Praxis ausschaut.

Hierzu nehmen wir uns nochmals Dugins bereits verlinktes Abstract „Horizons of our Revolution From Crimea to Lisbon“ vom 07.03.2014 vor, in dem er ankündigt, „mit der Expansion der (von den Amerikanern) befreienden Ideologie in Europa“ zu beginnen.

Die USA sprächen vom Kampf für die Demokratie, wollten aber anderen ihre Werte aufzwingen, kritisierte Jakunin am Donnerstag bei einer Veranstaltung des Deutsch-Russischen Forums“,  so die Welt.  Offenbar macht sich Russland bereits auf, Europa vom Joche des amerikanischen Kolonialismus und Imperialismus zu befreien: „Europa müsse sich von den Vorgaben der USA abnabeln„, fordert er.  Er setzt voraus, dass sich die Europäer nicht aus eigenem Denken so entscheiden, wie sie es tun, sondern weil sie der Manipulation durch andere unterliegen, den USA.  Das ist natürlich ein Allround-Argument:  tief in deinem Unterbewussten willst du das ja gar nicht, was du entscheidest – z.B. Conchita Wurst zum Sieg im Grand Prix zu verhelfen. Weswegen eine solche Entscheidung natürlich auch nicht ernst zu nehmen sei, folglich übergangen werden könne. Zur ‚Perfektion‘ entwickelt hat diese Nichtigkeitserklärung persönlicher Entscheidung übrigens Gaddhafi mit seinem legendären Argument, die libysche Jugend würde sich ja nur deswegen gegen ihn wenden, weil el-Qaeda ihren Nescafé mit Drogen versetzt habe. Ein friedliches Argument: man verzeiht den Rebellen wegen Unzurechnungsfähigkeit. Dass es mit derlei Großmut tatsächlich nicht weit her ist, zeigt ein anderer Artikel: „Jene Russen, die beim TV-Voting für Wurst stimmten, hätten eine „abnormale Psychologie„. Auch das kennt man. Er hätte sie auch entartet nennen können (Gaddhafi nannte die Rebellen dann Ungeziefer).

Das von Dugins Faschismus beeinflusste Russland möchte Europa retten:  „Ob man Verständigung und Dialog sucht oder ob man nach der Pfeife der USA tanzt – davon wird in großem Maße das Wohlergehen des europäischen Raums abhängen„. Retten vor dem moralischen Verfall, in das es die USA getrieben hätte, es zurück kehren lassen zu seinen eigenen Werten; die könne es dann in einer eurasischen Union auch behalten.  „Die antike Definition von Demokratie hatte nichts mit bärtigen Frauen zu tun, sondern mit der Herrschaft des Volkes„. Jo. Dahinter erkennt der Kundige das klassische Argument der Faschisten: Demokratie ist die Herrschaft des gesunden Volksempfindens, welches, so wäre der nächste Schritt, die Elite bestens kennt, im Zweifel besser als das Volk selbst, so dass eine Regierungsbeteiligung des Volkes gar nicht nötig sei; es genüge vollauf, wenn das Volk durch seine weisen Häupter herrsche.

Sunic BuchKommen wir zum Aufreißer, der Überschrift: „Ein vulgärer Ethno-Faschismus aus ferner Vergangenheit ist wieder Teil unseres Lebens geworden“ . Ethno-Faschismus ist ein schönes, in Westeuropa weitgehend unbekanntes Wort, bei uns ist ein anderer Ausdruck geläufig: Rassismus. „Der größte Fehler seit Ende des Kalten Krieges sei es gewesen, „dass wir die Illusion hatten, als normale Menschen von unseren Nachbarn angesehen zu werden“, sagte Jakunin. Die russische Jugend habe geglaubt, vom Westen mit offenen Armen empfangen zu werden. Jetzt sei der Frust riesig: „Das ist das Gefühl, gehasst zu werden.“  „Russophobie“ nennt Dugin das und macht es als Ursache der Probleme des Maidan mit Russland aus: Russophobie, angefacht von ukrainischen Nazis, die von den USA zur Destabilisierung der Ukraine eingesetzt worden seien. Und diese Russophobie und nicht etwa rationale Gründe, wie das Verlangen, Homosexuellen gefälligst den gleichen Respekt und die gleiche Würde zukommen zu lassen, wie jedem Heterosexuellen auch,  sei die Ursache dafür, dass Europa Russland nicht zustimme.  Dies, und der von den USA bewirkte Werteverlust.

Dugin bedauert, dass der Maidan sich gegen Russland gewandt hat. Natürlich wäre das Gegenteil gewesen, dass nämlich Kiew angesichts der Herrschaft korrupter Wirtschaftsoligarchen nicht beim dekadenten Europa, sondern bei den slawischen Brüdern um Hilfe nachgesucht hätte.

Kiew begann die Revolution, aber es endete alles mit US-Scharfschützen und schmutziger Russophobie und Forderungen, die Ukraine in der NATO zu akzeptieren. Aber alles hätte anders sein können … durch Manipulation und allgemeine Unwissenheit der Menschen in Kiew (wie sonst soll man all dies erklären, vielleicht durch ein niedriges Niveau der Kultur ) verkam alles zu einer schmutzigen blutige Farce. “ Entsprechend verkündete auch Jakunin: „In der Ukraine jedoch hätten Neonazis den freien Protest gegen den früheren Präsidenten Viktor Janukowitsch gekapert und an sich gerissen.“

Der Propaganda sollte man die Tatsachen gegenüber stellen. Wie sie sich auf diesen Bilddateien zeigen.

David Duke, bekanntester US-Rechtsradikaler, der mit Fug und Recht Neo-Nazi genannt werden kann, gehört zu den internationalen Größen der inzwischen bestens vernetzten Rechtsradikalen-Szene Er lebt einen Teil des Jahres in Österreich, vermutlich der international recht rührigen FPÖ geschuldet und kennt natürlich alles, was in Europas Rechtsradikalenszene Rang und Namen hat, wie die British National Party oder Voigt von der NPD.

Dugin u SunicEine weitere internationale Rechtsradikalengröße ist Tomislav Sunic, der sich, wie Dugin, auf Benoist bezieht. Ihn als Vertreter der Neuen Rechten zu bezeichnen ist etwas euphemisch, denn auch ihm sind alle Rechtsradikalengrößen persönlich bekannt, eingeschlossen Horst Mahler. Ich denke, man sollte ihn zumindest einen Faschisten nennen; was sonst, wenn einer ein Buch gegen Demokratie und Gleichheit heraus gibt. Hier ist er auf Plakaten zu einer rechtsradikalen Veranstaltung zu sehen, die er gemeinsam mit Dugin bestritt.

Bei diesem Umgang fragt es sich, was Dugin und auch andere Größen der russischen Politik meinen, wenn sie von Neonazis sprechen. Der Schweizer Tagesanzeiger jenfalls brachte  einen viel beachteten Bericht über ein Geheimtreffen europäischer Rechtsradikalengrößen in Wien heraus, an dem wohl auch Dugin teilnahm.

Dugins Verhältnis zu Putin ist zumindest umstritten. Mit seinem Aufruf zum Massenmord an den widerspenstigen Ukrainern hatte er es übertrieben: er verlor nicht nur seine Professur, sondern wohl auch seinen Einfluss im Kreml.

Dafür würde er gerne einen neuen Freund finden: Donald Trump. Er empfahl den Amerikanern, Trump zu wählen.

 

 

Anhang:

Hier noch eine kleine Kostprobe dessen, was auf der Facebookseite der „Eurasian Artist Association“ als Eurasische Kunst vorgestellt wird.

 

 


E

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es empfiehlt sich, mal in dieses schauerlich-bombastische Musikstück hinein zu hören.
Gewisse Ähnlichkeiten sind unverkennbar.

Sehenswert auch diese Kunstwerk:

 

Dernier Attaque

  

Und auch dies wird wohl keines Kommentars bedürfen:

Karikatur

 

 

Weite Links:

Vladimir Putin and the Empire

Alexandr Dugin: Europa erobern, eingliedern, anschließen

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