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Israellobby ./. Tagesthemen

Am 15.08.2016 sah sich das ARD-Studio Tel Aviv genötigt, in einem Blogpost wilden Vorwürfe und Verleumdungen der Israel-Lobby zu begegnen. Diese Vorwürfe betrafen einen Beitrag über den Wassermangel in der palästinensischen Stadt Salfit (ab Min. 00:03:20) der von Israel bewirkt wird.

Unter dem Titel "Stellungnahme zur Kritik am Tagesthemen-Beitrag vom 14.8.2016" gab sie einige dieser Vorwürfe nebst Quellen an.

Ausgangspunkt der Tätigkeit der Israel-Lobby war diesmal die Hetzblog-Abteilung.

Die Beteiligten:

Honestly Concerned , eine in Frankfurt ansässige Propaganda-Organisation der Israellobby unter der Ägide des in Israel lebenden Ulrich W. Sahm. Sahm ist ein guter Freund von Henryk Broder und schrieb, natürlich, auch schon für die Jungle World.

Der Kölner Schauspieler  Gerd Buurmann mit seinem Blog "Tapfer im Nirgendwo". Buurmann hat nun Zeit, sich neuen Hobbies zuzuwenden, ist doch sein Hauptfeind Walter Hermann, Betreiber der berühmten Kölner Klagemauer, eben verstorben.

Schließlich Alex Feuerherdt mit seinem berüchtigten Blog "Lizas Welt". Diesmal feuerte er mit seinem Twitter-Account "Lizas Welt" - Motto: Gegen den Konsens. Für Israel und modernen Fußball -  die Lobby an. 

Die parlamentarische Rückendeckung bot  Michaela Engelmeier, selbstverständlich Mitglied der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, deren Vorsitzender Volker Beck ist.

Sahm beschwert sich im Beitrag " ULRICH W. SAHM – Wassernot in der ARD-Tagesschau-Redaktion" auf "Honestly Concerned" als erstes darüber, dass die Tagesschau überhaupt einen Bericht zur Wasserversorgung des Westjordanlandes sendete, "ohne aktuellen Aufhänger". In der Tat handelt es sich dabei um ein sensibles Thema; wir erinnern uns an die Beschimpfungen und Affronts gegenüber Martin Schulz, als dieser 2014  das Thema in der Knesset ansprach. Schon damals wurde von Israel behauptet, es sei alles erlogen, die Beweise waren freilich einschlägig und es ging nur noch um die Frage, wie extrem der Wassermangel in den Palästinensergebieten sei. Also wurden damals wie auch jetzt die Experten angegriffen.

In diesem Falle traf es den deutschen Hydrologen Clemens Messerschmid. Viel war dem offenbar nicht anzuhängen, also griff Sahm auf die Behauptung zurück, Israel habe Staudämme gebaut, um Gaza zu fluten, die angeblich von Messerschmid stamme. Die Behauptung gab es in der Tat anlässlich einer starken Überschwemmung Gazas, bei der das Wasser wochenlang in den Straßen stand. Allerdings stammte sie nicht von Messerschmid, sondern war eines jener Gerüchte, wie sie bei solchen Anlässen überall auf der Welt immer wieder mal im Internet zu finden sind.  Sie wurden von palästinensischer Seite selbst als unwahr dargelegt.

Es ist  typisch für die israelische Propaganda, dass Gerüchte aus zweifelhaften, meist recht jugendlichen Quellen als Beleg für die angebliche Unseriösität der Palästinenser und ihrer Fürsprecher  insgesamt angeführt werden - so, wie auch jedem, der sich kritisch zu Israel äußert, unterstellt wird, er sei Antisemit und ein Freund der Hamas. Dabei sind gerade die Palästinenser recht moderne Leute, die mit der stockkonservativen, eher  islamistischen Hamas recht wenig im Sinn haben.

Das Fazit von Sahms Blogpost ist letztlich, weil das Regenwasser von Palästinas Bergen unterirdisch in von Israel beherrschte Grundwasserseen fließt, sollen die Palästinenser froh sein, dass sie überhaupt einen Tropfen Wasser von Israel abbekämen.

Über Sahms Zynismus zeigen sich die Autoren des ARD-Studios Tel Aviv, Susanne Glass und Markus Rosch, erschüttert:

Vor allem aber sind wir traurig darüber, dass unseren palästinensischen Protagonisten Lügen unterstellt werden. Im Sinne von: „Warum haben sie denn Waschmaschinen gekauft, wenn sie wissen dass die nicht funktionieren?“ etc. Diese Menschen haben eben noch immer Hoffnung auf Normalität. Sie leiden unter Wassermangel. Dies ist ein Fakt, den sie dem deutschen Publikum erzählt haben. Man sollte sich nicht darüber lustig machen. Auch nicht über den Namen der palästinensischen Familie.
Dass ihr Leiden auf so wenig Empathie stößt, hat uns sehr verwundert.

Nun, das ist der gängige Ton bei den Zionisten. Dass ARD-Journalisten dies mal drastisch vorgeführt bekommen, wird ihre Israelfreundlichkeit wohl kaum befördern; tatsächlich zeigt es, warum so gut wie jeder, der aus den Palästinensergebieten zurück kehrt, ein vehementer Israelkritiker geworden ist. 

2016

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 Jewish Defense League JDL

Rache ist ein fundamentales jüdisches Konzept, dass für den Juden Grundsatz, Vorschrift und Gebot ist. Rache wird dank der nichtjüdischen und verwirrenden Ära in der wir leben, zu einer verschmähten Sache. Wischt die bittere Entehrung von G-ttes Namen weg, die durch die Weigerung der Araber symbolisiert wird, sich der jüdischen Souveränität zu beugen. Eine wahre jüdische Regierung ist eine, die die Notwendigkeit versteht die Entweihung zu eliminieren, indem das Böse entfernt und ausgelöscht wird.

So die Webseite der Jewish Defense League (JDL) Germany. Möge niemand glauben, dies sei lediglich eine Spezialität einer übel beleumdeten Extremisten-Truppe. Dieses Denken findet sich bei allen Kahanisten und Nationalreligiösen, zunehmend auch bei fast schon als links Geltenden und teilweise sitzen ihre Vertreter im israelischen Parlament oder gar als Minister in der Regierung.

 

2. Titelblatt der Webseite der Jewish Defense League JDL Germany

 

 Zweites Titelblatt der Webseite der Jewish Defense League JDL Germany: was die Kahanisten als Israel beanspruchen, ist blau.

 

 

 

 

Begründer dieser Richtung des Zionismus, genannt der revisionistische Zionismus, war der ukrainische Jude Wladimir Zeev Jabotinsky (1880 – 1940). Im I. Weltkrieg gründete er die Jüdische Legion, später übernahm er die Führung der Terrororganisation Irgun. Sein Nachfolger dort wurde Menachem Begin, der trotz dieser Vergangenheit israelischer Ministerpräsident werden konnte.

Jabotinsky war stets militant ohne Scheu vor Terrorakten und trat auch stets für ein Großisrael beidseits des Jordan mit jüdischer Bevölkerungsmehrheit ein, was selbstverständlich nur um den Preis einer ethnischen Säuberung der Palästinenser zu haben war. Die weit überwiegende Mehrheit der damaligen Zionisten war gegen ihn, sperrte sogar seinen Leichnam vom Begräbnis in Israel aus. Nichts desto trotz war er der Begründer des heute in Israel dominierenden rechtsextremen Judentums, das bis in die 60er Jahre hinein in Palästina/Israel ganz und gar nicht beliebt war.

Meir Kahane

Rabbi Meir Kahane

Der Begründer der Jewish Defense League wie auch der berüchtigten Kach-Bewegung war Rabbi Meir Kahane (1932-1990). Schon sein Vater war ein Verehrer von Jabotinsky und der Irgun. Kahane war selbstverständlich Anhänger von Groß-Israel, wobei er für eine jüdische Theokratie eintrat. Er stand ein für Rassentrennung und ethnische Säuberung. Uri Averny nannte ihn nicht zu Unrecht einen jüdischen Nazi. Und auch die ihn verehrende JDL wird man wohl als Nazi-Organisation nicht nur im heute gebräuchlichen Sinne bezeichnen können: auch die deutschen Nationalsozialisten vertraten die Ansicht, es sei ein heiliges Werk, das von ihnen als das Böse angesehene zu entfernen und auszulöschen. Damals betraf das natürlich nicht die Araber, sondern die Juden, Sinti und Roma. Aber sonst ist der Unterschied wirklich nicht groß.

 

Kach Fußballclub

Kahanistenfahne in israelischem Fußballstadion

 

Die offiziellen Kahanisten-Organisationen JDL, Kach-Partei und Kahane Chai (Kahane lebt) stehen nicht in bestem Ruf. In Israel sind sie illegal, was ihre Anhänger aber nicht sonderlich zu stören scheint. Kach und Kahane Chai sind in der EU und in den USA als Terrororganisationen eingestuft, insbesondere nach dem Massaker von Hebron an in der Moschee betenden Palästinensern durch Baruch Goldstein, der auch von der JDL immer noch als Held gefeiert wird. Die Mitglieder ziehen es folglich vor, weitgehend anonym zu bleiben und sich konspirativ zu verhalten. Man erfährt also nur selten, wer tatsächlich dazu gehört. Um so eher erfährt man von ihrem Einfluss, vor allem dann, wenn man in Sachen des von ihnen verhassten Palästina unterwegs ist. Kahanisten kennzeichnet die für Rechtsradikale typische unflätige menschenverachtende Gossensprache. „Dreckiges Stück menschlicher Abfall“, „aggressiver Wilder“, „Drecksack“ sind Ausdrücke für ihre Gegner, die man problemlos sogar auf der offiziellen Webseite

Schramm JDL 1

der JDL-UK finden kann. Nichts desto trotz finden sie ihre Sympathisanten, als eines der prominentesten Beispiele das ehemalige Mitglied des Bundesvorstandes der Piratenpartei Julia Schramm, die nun bei der von der ehemaligen Stasi-IM „Victoria“, Anetta Kahane, bei der von ihr geführten Amadeu-Antonio-Stiftung untergekommen ist.

Kahanisten sind rechtsradikal. Diese Richtung wird noch nicht einmal von ihnen selbst bezweifelt. Allerdings gibt es auch Leute, die sich einem sozialistischen Flügel der JDL zuordnen. Dessen Legitimität von den Hütern der reinen Lehre zwar entschieden verworfen wird, aber das heißt nicht viel. „Jude ist Jude“, heißt es bei der JDL UK und auch säkulare Juden befänden sich durchaus auch in Führungsfunktionen.
Erfahrungsgemäß bewegen sich allerdings diejenigen, die sich unter rechtsradikalen Einfluss stellen, mit der Zeit ganz von selbst nach rechts.

Israelnazis

Rechtsextreme Israelis in Aktion

Zum Abschluss kommentarlos ein bezeichnendes Zitat von der Webseite der JDL Germany:

Der Tag wird kommen, an dem alle Nichtjuden die Überlegenheit des auserwählten Volkes anerkennen werden.

Das jüdische Volk kann niezerstört werden, sondern vielmehr werden sie und ihr G-tt der Geschichte in kommenden Tagen triumphierend über die Bösen und die Torheit aller anderen Nationen auftauchen. Zion wird und muss als der Berg auftauchen, zu dem sich alle Leute hindrehen werden, und der jüdische G-tt wird der Eine sein, vor dem sich alle Knie biegen!

Es gibt nur die erbarmungslose Entweder-oder-, Wir-oder-sie-Natur des Kampfes zwischen den Juden und ihren Feinden.

24.06.2015
 

Schietgang ./. HAWK

Ich erlaube mir, ein weiteres Mitglied der Schietgang vorzustellen: Hans-Ulrich Dillmann.

FotoJahrgang 1951, Kölner vom Lebensgefühl, gelernter Drucker, Journalist und Buchautor, zur Gründergeneration der Berliner »tageszeitung« (taz) gehörend. Korrespondent der »Jüdischen Allgemeinen« für Lateinamerika- und der »taz« für die Karibik, Autor von Rundfunk- und Fernsehbeiträgen, Beiträge in "die wochenzeitung« (woz), Zürich, »Das Parlament«, »Frankfurter Rundschau«, »Berliner Zeitung«, »Neues Deutschland«, »jungle world«, »ila-Zeitschrift der Informationsstelle Lateinamerika« und Lateinamerika Nachrichten.

(Wieder einmal bestätigt sich der Indikator: man prüfe, ob einer für die Jungle World schreibt, schon weiß man, wen man vor sich hat.)

Dillmann eröffnete die neue Hatz, diesmal auf die HAWK, die Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst in Hildesheim: mit einem Artikel in der Jüdischen Allgemeinen. Stein des Anstoßes: das Seminar “Zur sozialen Lage von Jugendlichen in Palästina” von Ibtissam Köhler. Die bietet dieses Seminar allerdings schon seit 10 Jahren an.

Das Seminar befasst sich einseitig mit Palästina. Klar. Deswegen wird es auch stets gekoppelt mit einem pro-israelischen Seminar, diesmal von Rebecca Seidler über jüdische Sozialarbeit in Deutschland und Israel. Das mit Sicherheit als ebenso einseitig erwartet wurde. Woraus sich dann die Ausgewogenheit ergibt.
Seidler jedoch nahm das Angebot nicht an. Nachdem die Hochschule ihre Korrekturwünsche am pro-palästinensischen Seminar ignorierte, schmiss sie hin. Und wandte sich an unsere Schietgang.

Die HAWK berief ihre hauseigene Ethik-Kommission in der Angelegenheit, die fand aber nichts Unethisches.

Das angeblich Unethische machte freilich die Jerusalem Post in der Person des Benjamin Weinthal aus, die einen israelischen Politikwissenschaftler mit den Worten zitierte:

"Vom akademischen Standpunkt her gibt es keine Rechtfertigung für ein Seminar über die soziale Situation junger Menschen in Palästina."

Hoppla. In echt?
Nun ja, vielleicht ist der Herr Professor ja auch der Ansicht, dass es Palästina ebenso wenig gibt wie Palästinenser, dass also ein Seminar über junge Palästinenser einen eben solchen Rang haben sollte wie eines über Einhörner. Freilich dürfte er mit dieser Ansicht weltweit ziemlich alleine stehen – doch wann hätte das einen verblendeten Zionisten je interessiert?
Nun, uns sollte das auch nicht interessieren. In etwa so wenig wie Diskussionen über Kreationismus als akademische Wissenschaft.

Damit die Sache nicht nur in jüdischen Medien, die eh kaum einer liest, Verbreitung fände, kloppte Dillmann seinen Artikel auch noch in die taz  hinein.

Es ist ja nicht das erste Mal, dass die taz dazu missbraucht wird, antipalästinensische Kampagnen zu entzünden. Inwieweit die taz sich auf Dauer damit einverstanden erklären kann, das muss sie selber wissen.

Natürlich ist neben Schuster vom Zentralrat der Juden, dem Simon-Wiesenthal-Center, dass sich lt. Kreiszeitung hinter Niedersachsens Wissenschaftsministerin steckte und manch anderen auch die Jerusalem Post mit von der Partie. Die wird zitiert:

Für die Jerusalem Post diagnostizierte der Sprecher des Außenministeriums, Emmanuel Nahshon, die ganze HAWK sei offenbar „a ­hatred factory“ eine Hassfabrik – keine Hochschule.

Wir merken uns: eine Hochschule, die sich mit der Situation von Palästinensern befasst (die doch totgeschwiegen gehören!) ist eine Hassfabrik.

Woran erinnert uns das nur?
Ja, unsere Hass-Spezialisten von der Amadeu-Antonio-Stiftung sind natürlich auch mit von der Partie. Wir wissen ja schon: Hass ist für die immer die von ihrer eigenen Meinung abweichende Meinung der anderen und Palästinenser sind der inkarnierte Hass, einzig und allein deswegen, weil sie es wagen zu existieren.

Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat nämlich ein sogenanntes Gutachten erstellt. Von ihrem wissenschaftlichen Mitarbeiter Jan Riebe. Ein Diplom-Sozialwissenschaftler. Nun ja. Er kommt zu dem Schluss:

"Ein in der Art aufgebautes Seminar ist unvereinbar mit den demokratischen Grundsätzen einer Hochschule. Es wird den Studierenden ein zutiefst antiisraelisches, in Teilen sogar antisemitisches Weltbild vermittelt."

Leider hielt die HAWK (hier ihre Stellungnahme zu der Angelegenheit) so gar nichts von der Amadeu-Antonio-Stiftung und ihrer wissenschaftlichen Zuverlässigkeit und gab inzwischen ein anderes, neutrales Gutachten in Auftrag. Seidler zeigte sich “empört darüber, dass das Gutachten der renommierten Amadeu Antonio Stiftung nicht akzeptiert wird” .

Ehm – ja.
Also, was das Renommee betrifft …
Es läuft da gerade so eine Strafanzeige wg Postenschacher…
Ne, nicht die Sache mit #nohatespeech.
Was anderes – aber auch lukrativ für einen der ihren.

Die Amadeu Antonio Stiftung zeigte sich “irritiert” über die Kritik.

Ehm – ja.

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Die Schietgang

Sehr geehrter Herr Weinthal!
Gestern Abend hat der Antisemit Arn Strohmeyer einen Vortrag bei mir gehalten. Sie haben mir kein Ultimatum gesetzt, sie haben mich nicht einmal beschimpft. Ich fühle mich von Ihnen nicht ernst genommen, geradezu diskriminiert. Außerdem haben Sie dadurch Ihre Prämie verpasst.
Das nächste Mal werde ich  Sie v o r einem antisemitischen Vortrag  informieren. Ich schicke Ihnen demnächst eine Reportage  über meine Reisen nach Israel / Palästina. Sonst übersehen Sie die womöglich auch noch. Ich teile Ihnen auch die antisemitischen Zeitschriften mit, die den Text veröffentlichen werden – dann können Sie denen ein Ultimatum stellen. Die antisemitischen Redakteure sollen auch einmal etwas zu lachen haben.
Mit besten Wünschen nach Israel
Ihr
Volker Keller, Antisemit

Diese offenkundig sarkastische Email, die übrigens nicht der Herr Weinthal veröffentlichte, sondern sein Spezi Henryk Broder am 19.04.16 auf seinem Blog “Ach gut”, hat natürlich einen Hintergrund.

Arn Strohmeyer, Journalist, Autor und Publizist, sollte am 26. Januar 2016 im Bremer Bürgerhaus Weserterrassen einen Vortrag halten. Thema: Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt, der Titel seines neuen Buches. Dazu eingeladen hatte u.a. die Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft. Die hatte schon öfter Veranstaltungen im Bürgerhaus abgehalten, von daher war für den Leiter Stephan Pleyn alles in Ordnung.

Nicht jedoch für unseren alten Bekannten, den wackeren Streiter der heiligen zionistischen Inquisition Benjamin Weinthal. Dem ist Herr Strohmeyer ein Dorn im Auge. Nicht nur, dass er Israel kritisiert. Nicht nur, dass er ketzerisch auf der ‘Irrlehre’ beharrt, Antisemitismus und Antizionismus seien keineswegs dasselbe; nein, er unterstützt auch noch die Boykottbewegung BDS. Und das ist die schlimmste Sünde, weil: tut wirtschaftlich weh.

Da man nun die Deutsch-Palästinensische Gesellschaft wohl kaum zu einer Absage würde bewegen können, griff Herr Weinthal zu der Methode, die sich bereits in Berlin so gut bewährt hatte: er wandte sich an den Vermieter der Räumlichkeiten, schrieb ihm eine Email: “Sein Vorwurf: Strohmeyers Buch „Antisemitismus – Philosemitismus und der Palästina-Konflikt“ und auch die Veranstaltung seien antisemitisch“, so der Weser-Kurier, und außerdem: BDS.

Die Aktion war es Weinthal wert, ihr einen Artikel in der Jerusalem Post zu widmen und dabei auch die Methode zu erklären:

Nach Recherchen zu Aktionen in Sachen Boykott, Desinvestition und Sanktionen in Bremen – neuerdings ein Hot Spot für anti-israelischen Operationen – sandte die Jerusalem Post  Anfragen an den Bürgermeister und an das kulturelle Zentrum, (das zur Verfügung stellen von) kommunalem Raum für BDS und anti-Israel Veranstaltungen betreffend.

Das ist natürlich ein massiver Eingriff in die Meinungsfreiheit, wenn Vertreter und Lobbyisten eines fremden Staates Veranstaltungen durch Druck auf Vermieter zu unterbinden trachten, bezeichnenderweise kurz bevor sie stattfinden, damit der Veranstalter nicht schnell noch vor Gericht eine einstweilige Verfügung beantragen kann (hoffen wir mal, dass Erdogan nicht auf die Idee kommt, das nachzumachen). Denn natürlich ist es nicht verboten, in Deutschland für BDS zu werben. Und man darf auch nicht einfach jeden, dessen Meinung einem nicht passt, Antisemit nennen und mit solchen Behauptungen zu erpressen trachten.

Doch Herr Pleyn bekam Bammel, fühlte sich unter Druck gesetzt und sagte ab. Erst mal.

Allerdings wurde die Veranstaltung nach Intervention Bremer Bürger nachgeholt: am 07.04.16, in Bremen, Weserterrassen. “Eine krachende Niederlage für Herrn Weinthal“, schrieb Strohmeyer fröhlich. Und dann hielt er den gleichen Vortrag noch einmal, am nächsten Tag. Eingeladen hatten die “Nord-Bremer Bürger gegen den Krieg”, eine von Pastor Volker Keller mit begründete NGO, der dafür den Gemeindesaal seiner ev. Gemeinde Bremen-Vegesack zur Verfügung stellte. Dem setzte sich nun der Schalk in den Nacken und er  informierte Weinthal mit obiger Email darüber, dass dessen Recherchen diesmal offenbar versagt hatten, da ihm diese Veranstaltung offenbar durch die Lappen gegangen sei,  so dass Keller ihn in Zukunft in ‘antisemitischer’ Menschenfreundlichkeit selbst über solche Veranstaltungen infomieren wolle.

Die Schietgang dürstete es offenbar nach Rache. Broder schrieb nicht nur sein erwähntes Blogpost, sondern leitete Kellers Email weiter zu Stauerviez* Abraham Cooper, stellvertretender Leiter des Simon Wiesenthal Centers, bestens bewährt schon beim Dreckschleudern gegen Günter Grass und Jakob Augstein. Keller habe sich antisemitisch geäußert und müsse sich bei der Kirche und der jüdischen Gemeinschaft entschuldigen, ansonsten gehöre er gefeuert, verlangte der. Aus Los Angeles.
Insbesondere dürfe jemand mit einer solchen Einstellung nichts zu tun haben mit der Integration (arabisch-muslimischer) Flüchtlinge.
Nach erfolgtem Kotau wollte Cooper ihm aber gnädig erlauben, seinen Job wieder aufzunehmen.

Das ist natürlich dreist.

Folgt aber dem Vorbild der berüchtigten Canary Mission, eine stramm zionistische Webseite in den USA, die sich zum Ziel gesetzt hat, Pro-Palästinensern eine Art Berufsverbot zu erteilen, indem sie potentiellen Arbeitgebern entsprechende Listen mit Bild und persönlichen Daten zur Verfügung stellt und nach bester Stasi-Art zur Denunziation von Pro-Palästinensern aufruft zwecks Aufnahme der Denunzierten in ihre Liste. Nach öffentlicher Diffamierung und Verleumdung, bedrohlichem Druck auf die Vermieter von Veranstaltungsräumen und Druck auf Banken und Sparkassen, um BDS-Organisationen die Konten zu kündigen, wäre natürlich Druck auf Arbeitgeber zwecks materiellen Existenzvernichtung von Pro-Palästinensern das Tüpfelchen auf dem I beim Versuch, die internationale Palästina-Solidarität zu diskriminieren, zu unterdrücken und  mundtot zu machen.

Paar Tage später folgte schließlich Weinthal mit einem  Artikel in der Jerusalem Post; möglicherweise war er gerade in Stimmung wegen Ditfurths Niederlage beim Versuch, die pro-palästinensischen Organisationen BDS Berlin und FOR Palestine aus der 1. Mai-Demonstration auszuschließen. Aus der offenkundigen Spottmail machte Weinthal ein ernsthaftes Bekenntnis zum Antisemitismus und forderte etliche Personen des öffentlichen Lebens auf zu diesem ‘ungeheuerlichen Bekenntnis’ etwas zu sagen.

Dummerweise weigerten sie sich jedoch, sich weiter mit dieser Angelegenheit zu befassen, darunter der ehemalige Ratsvorsitzende der EKG, Nikolaus Schneider.
Die Sache hatte wohl Hautgout.

Anmerkung:
"Gang" ist insbesondere in Hamburg und Bremen die Bezeichnung für eine Gruppe Schauerleute (Hafenarbeiter), die unter einem Vorarbeiter, dem Stauerviez, die Schiffe be- und entluden. Zuweilen waren die Tätigkeiten etwas anrüchig, etwa wenn allerlei Abfälle entsorgt oder für die Überfahrt bestialisch stinkende ein- gesalzene Häute gereinigt werden mussten; das erledigte dann die oft am Eigengeruch erkennbare Schietgang.

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  Götterdämmerung der Antideutschen?

 “Wirklich links sein heisst momentan politisch ziemlich allein sein …”, so der traurige Kommentar eines Antideutschen auf Jutta Ditfurths Facebook-Seite.

Nun erwarte ich erstmal allfällige Proteste, denn mehr noch als früher will kein Antideutscher mehr Antideutscher sein; inzwischen haben sie sich auch dermaßen in alle möglichen Richtungen zersplittert, dass man kaum noch etwas Gemeinsames erkennen kann, außer – “Israel gut” und “Deutschland Scheiße”. Und bei diesen Indikatoren belasse ich es dann auch. Diese schon an Fanatismus grenzende Israelfreundlichkeit macht sie natürlich zu einem festen Bestandteil der deutschen Israel-Lobby.

D Filmwerbung nie wieder DeutschlandJutta Ditfurth ist gewiss antideutsch zu nennen. Dafür spricht schon die Werbung für den Film, den sie vertreibt. Dafür sprechen aber auch Probleme mit ihrer Familiengeschichte: “Nur einen einzigen Verwandten unter Hunderten fand ich, der Juden und Sozialdemokraten nicht verabscheut hatte“, so der Programmtext zu ihrem Buch “Der Baron, die Juden und die Nazis – Reise in eine Familiengeschichte”.  Ähnliches tritt ja öfter auf, z.B bei der in der stramm zionistischen Amadeu-Antonio-Stiftung tätigen Julia Schramm mit ihrem SS-Opa, der doch zuhause so lieb und nett war, oder Rüdiger Sehls aka Walsonde. Es scheint vorwiegend ein Enkel-Problem zu sein; die Enkel der Nazi-Generation konnten wohl den brutalen Schnitt, den die Kinder 1968 gegenüber ihren Eltern machten, für sich selbst emotional nicht bewältigen und trachten danach, sich ihr Seelenheil mit einer Art unkritisch pro-israelischem Ablasshandel zu erkaufen.Walsonde SS Opa Hollarius kein Widerstand

Es passt jedenfalls zu solchen Überlegungen, dass sich Antideutsche durch geradezu orgiastische Diffamierungskampagnen gegen ihre politischen Gegner (und das sind so ziemlich alle ‘Andersgläubigen’) auszeichnen, sie insbesondere überreichlich als Nazis und Antisemiten bezeichnen. Selbiges tut auch  Jutta Ditfurth – und landete im Falle Jürgen Elsässer, den sie als “glühenden Antisemiten” bezeichnet hatte, vor Gericht, vor dem sie allerdings verlor; auch die Berufung.

Dieser Prozess brachte ihr die Freundschaft Benjamin Weinthals ein, der ihr einen Artikel in der Jerusalem Post widmete; mit Sicherheit nicht uneigennützig, ist doch der Gebrauch der so geliebten Antisemitismuskeule nicht nur wegen der Abnutzungserscheinungen schwer beeinträchtigt. Wesentlich geht es um die Gleichsetzung von Antizionismus mit Antisemitismus. Das ist Unfug, denn der Zionismus ist keine Religion, sondern eine politische Ideologie, der keineswegs alle Juden anhängen, dafür aber etliche fundamentalistische Christen; entsprechend umstritten ist diese Gleichsetzung. Nicht nur der Fraser-Prozess in England, mit dem der Kläger die Gleichstellung von Antizionismus mit Antisemitismus erzwingen wollte, wurde quasi mit Backpfeifen verloren, auch die angebliche Arbeitsdefinition Antisemitismus wurde von der EU sang- und klanglos zurück gezogen; ebenso verlor Ditfurth mit ihrem sehr weiten Gebrauch des Begriffs Antisemitismus den Prozess gegen Elsässer.
Ditfurth möchte mit dem Fall vor das Bundesverfassungsgericht ziehen; eine teure Angelegenheit und teuer fand sie schon die Berufung. Und somit verweist Weinthal am Ende seines Artikels auf Ditfurths Webseite, betrifft Bitte um Spenden zwecks Deckung der Prozesskosten. Das ist natürlich nett und hilfreich.

Solch fruchtbare Freundschaften überwinden natürlich leicht ideologische Barrieren, denn während Ditfurth sich als stramm links bezeichnet, gehört Weinthal zum stramm rechten US-Think Tank FDD – aber was soll’s: man kennt sich, man hilft sich.

Eine gewisse Offenheit nach rechts ist für die vorgeblich linken Antideutschen freilich nicht ungewöhnlich. So bekannte sich Julia Schramm zu ihrer Sympathie für die rechtsradikale jüdische unter Terrorverdacht stehende Jewish Defense League JDL und auch ehemalige Neonazis, die zu den Antideutschen überliefen, sind nicht gar so selten.

 

 

 

 

Es darf vermutet werden, dass Ditfurths Kontaktsuche mit einer Entdeckung zusammen hing: nämlich “plötzl aufgetauchten antisemit Oranisationen #BDS + FORPalestine im Bündnis @Rev1MaiBerlin“. Die beabsichtigte Mobilisierung gegen die Teilnahme der Palästinenser schlug jedoch fehl – ihr Post auf Indymedia wurde gelöscht. Zu finden ist dort allerdings ein anderer recht interessanter Artikel “Klassenkampf gegen Antisemitismus“, der sich intelligent und recht umfassend über die antideutschen Problemfelder auslässt, im Kern das Projizieren von Antisemitismus und Rassismus auf die Linke,  “anstatt ihn  dort zu sehen, wo er am gefährlichsten ist: In der deutschen Mitte” – womit der Autor zweifellos Recht hat.

Ditfurth blieb nichts anderes übrig, als über ihre Facebook-Seite ihre Anhänger zur Mobilisierung für den Ausschluss der BDS-Bewegung und der FOR zu bewegen. Das allerdings schlug fehl. Ditfurths Darstellung über den Show Down vom 20.04.16 lässt sich bei Indymedia nachlesen, wer zwischen den Zeilen liest erkennt, es ging ausschließlich um das eine in Israel stets präsente Thema: die wegen ihres großen Erfolges gefährliche BDS-Bewegung mundtot zu machen.

Das von ihr auf Facebook veröffentlichte Abstimmungsergebnis zeigt: die Niederlage war krachend.

Pikanterweise betrifft der Link, den Weinthal Ditfurth als Antwort mailte, seinen Artikel zum Bemühen Israels, deutsche Sparkassen und Banken unter Druck zu setzen, damit sie der BDS-Bewegung die Konten kündigen.

Auch die Verhältnismäßigkeit dürfte eine Rolle spielen. Während es sich bei der BDS-Bewegung um eine große, weltweite Bewegung handelt, vertritt Ditfurth eine deutsche Kleinpartei, die, außer in ihrer Heimatstadt Frankfurt, froh sein kann, wenn sie bei Wahlen über 0,5 % erzielt. Sich durch schon pathologische Israel-Ergebenheit weltweit zu isolieren, ist nunmal eine ernst zu nehmende Gefährdung jeglichen politischen Erfolges.

Es steht nicht gut um die Antideutschen. Sie haben sich ausmanövriert. Ihre fähigeren Protagonisten und Unterstützer wandern mit dem Zionismus nach Rechts, andere zersplittern sich im Exotentum.

2016

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 AJC - der zweite Berliner Senat

Der Refugee Club Impulse RCI ist ein selbstorganisiertes Berliner Theaterprojekt von Geflüchteten; es entstand 2013 aus einer Kunst-Kooperation in einer Flüchtlingsunterkunft. Seither hat der RCI durchaus Renommee gewonnen, war z.B. im Januar 2016 zu einem Gastspiel in Frankfurt und erfüllte alle Kriterien, um durch Kulturstaatsministerin Monika Grütters für den “Sonderpreis für Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen” nominiert und vielleicht sogar ausgezeichnet zu werden. Wobei schon die Nominierung mit 2.500 EUR Preisgeld verbunden ist. Geplant war ebenfalls die Förderung seiner kulturellen Projekte mit 100.000 EUR durch den Berliner Senat.

Nun gab es am 20. März 2016 in Berlin den “Karneval der Geflüchteten”, der durchaus positives Aufsehen erregte. Schon damals wurde unter der Einsatzleitung des AJC eine Kampagne gegen die Teilnahme insbesondere der BDS-Bewegung und der linken Palästinensergruppe F.O.R. Palestine los getreten, die allerdings nicht viel Erfolg hatte. Tatsächlich erscheint es recht absurd, Palästinenser aus Flüchtlingsprojekten ausschließen zu wollen. Schon vor der Flüchtlingswelle lebten eine Menge geflüchteter Palästinenser in Deutschland und nun sind auch die aus den palästinensischen Flüchtlingslagern in Syrien dazu gekommen, z.B. aus Yarmouk. Dass die nun, weil sie es nach Deutschland geschafft haben, auf einmal zu Freunden des Staates werden, der sie seit 1949 aus ihrer angestammten Heimat vertreibt, weil die gegenwärtige Kanzlerin Angela Merkel der Meinung ist, man könne die Unterstützung eines fremden Staates im eigenen Staat zur Staatsraison erklären, das möge sich keiner einbilden. Und das gleiche gilt selbstverständlich für die Mehrheit der hiesigen Araber und Muslime, ohne die übrigens Flüchtlingsbetreuung und Integration gar nicht möglich sind. Denn wer sind schließlich die ganzen Dolmetscher und Erklärbären?

Der 2. Akt des Dramas um den RCI: geplante Förderung durch den Berliner Senat und Nominierung des RCI für den Kulturpreis, und das ohne den AJC, wie es sich gehört, vorher um Genehmigung zu bitten. Muss er wieder mal eine seiner üblichen Kampagnen los treten. Oder vielmehr fortsetzen – was er auch tut; denn er nutzt dafür auch den alten Twitter-Hashtag #MRIYR.

Wie üblich starten des AJC getreue Knappen die öffentliche Kampagne, hier die Berliner Morgenpost und die Berliner Zeitung. Die ihren Artikel gleich mit einem reißerischen Bild garnierte – man kennt das von ihr. Es folgen – wie üblich – die Jüdische Allgemeine und, was sonst, die Jerusalem Post mit einem Artikel des vom rechtszionistischen US-Think Tank FDD Beauftragten für Europa Benjamin Weinthal.

Was wird nun dem RCI vorgeworfen?

Ehrenamtliche Leitungsfunktionen im RCI haben zwei Schwestern, nämlich die künstlerische Nadia Grassmann und die pädagogische Maryam Grassmann. Zwei ausnehmend tüchtige und engagierte Frauen. Letztere ist uns schon bekannt aus der Kampagne gegen den von ihr mit organisierten “Karneval der Flüchtlinge”. Die haben natürlich einen Vater – und der hat in den letzten Jahren die el-Quds-Demonstrationen in Berlin angemeldet. Dass die überhaupt stattfinden, ist für die Israel-Lobby schon mal ein rotes Tuch, beanspruchen sie doch Jerusalem zur Gänze als Israels ewige Hauptstadt. Das ist zwar völkerrechtlich illegal, aber was soll’s. Zu ihrem größten Bedauern garantiert das deutsche Grundgesetz auch denen Demonstrationsrecht, die gegen derlei Ansprüche Israels demonstrieren.

Nadia und Maryam Grassmann waren – welch Verbrechen – mehrmals auf diesen Demonstrationen und haben ihrem Vater wohl geholfen, was für Töchter relativ normal ist. Doch wer die Zionisten kennt, weiß, bei denen hat die Verehrung für Israel über Familienbanden zu stehen.

Bei den el-Quds-Demonstrationen sind, oh Schreck, auch Fahnen der Hisbollah zu sehen. Und auch das ist legal, denn im Gegensatz zu dem, was seitens der Zionisten gerne behauptet wird, ist die Hisbollah keineswegs von der EU oder Deutschland als Terrororganisation eingestuft, sondern lediglich ihre Milizen. Die Hisbollah selbst ist nämlich eine libanesische Partei und als solche auch im libanesischen Parlament vertreten, teilweise auch in den Kabinetten der Regierung. Allerdings ist sie eine schiitische Partei, was ihren Einfluss im überwiegend sunnitischen Mittelmeerraum doch ganz erheblich verringert – auch im Flüchtlingsherkunftsland Syrien. Denn der Schia sind dort fast nur die 25 % Alawiten zuzurechnen, auf die sich ausgerechnet das Assad-Regime stützt. Es ist also durchaus überzeugend, wenn Nadia Grassmann sich von den Zielen der Demonstration doch etwas distanziert; denn wer Kontakt zu den Flüchtlingen hat weiß, das kommt nicht gut, wenn man sich mit der auf der Seite Assads kämpfenden Hisbollah solidarisiert.

Das Hauptverbrechen jedoch besteht – in dem Tragen von Ohrringen. Ohrringe als Foto von WeissbarthDemorequisite mit dem Logo der, wie gesagt in Deutschland legalen, Hisbollah. Ausgesprochen teure Ohrringe, können sie doch den RCI 100.000 EUR kosten. Diesen Preis sieht man ihnen gar nicht an.

Und die Grassmann-Schwestern noch mehr, denn “Die Vorwürfe würden nun überprüft – auch arbeitsrechtlich, da die Grassmanns unabhängig von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit beim RCI auch hauptamtlich bei der AWO beschäftigt seien.” (Berliner Morgenpost). Nun, das kennt man – von der “Canary Mission“, einer stramm zionistischen Webseite in den USA, im letzten Jahr gegründet, um Pro-Palästinenser mit Fotos und persönlichen Daten aufzulisten mit dem ausdrücklichen Ziel, potentielle Arbeitgeber dazu zu bewegen, die dort gelisteten Personen nicht einzustellen.

Beachtenswert übrigens die Bildunterschrift: “Foto: Fabian Weissbarth“.
Fabian Weissbarth ist Public Affairs Coordinator beim AJC und marschiert also höchstselbst bei entsprechenden Gelegenheiten mit der Kamera durch die Reihen der Pro-Palästinenser, um sie heimlich  zu fotografieren und entsprechende Dossiers anzulegen, die, wenn es opportun erscheint, an die dienende Presse und an Behörden weiter gegeben werden. Er ist also ein israelischer Schlapphutträger.

Die Aktion gegen den RCI und insbesondere die Grassmann-Schwestern ist natürlich Diskriminierung in extremer Form. Aber längst ist es für Zionisten selbstverständlich geworden, dass alle anderen Recht zu beachten haben, sie selbst aber darüber stehen, und das nicht nur, wenn es um einen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 mit der Hauptstadt Ost-Jerusalem geht.

Amadeu Antonio Mann 20.04.16

Die zionistische Amadeu-Antonio-Stiftung ist natürlich auch dabei, hier mit Stiftungskoordinator Reinfrank

Kulturministerin Grütters knickte umgehend ein, bejubelt nicht nur vom AJC.

Fragt sich nun, wie sich das Ganze weiter entwickelt: wird die AWO tatsächlich die Schwestern feuern und so gemäß dem mutmaßlichen Willen des AJC ihrer materiellen Existenz berauben? Wird der RCI den Schneid haben, sich die weitere Mitarbeit der beiden nicht für 100.000 EUR Fördergelder abkaufen zu lassen?

 

Eine unappetitliche Geschichte. Sehr unappetitlich. Aber keineswegs ungewöhnlich, in internationalem Rahmen betrachtet normal. Längst sind die Zionisten maßlos geworden in ihrer Wut und der Wahl der Methoden, um die BDS-Bewegung, das eigentliche Ziel von alledem, zu bekämpfen; was allerdings vollkommen sinnlos ist.

 2016


 

 Die FDD

FDD Logo

Hier in Deutschland kennen wir uns naturgemäß nicht so aus mit US-basierten Think Tanks. Einer dieser Think Tanks ist die FDD, die Foundation for Defense of Democracies, also Stiftung für die Verteidigung von Demokratien. Hier der entsprechende Wikipedia-Artikel, zur Zeit der Entstehung dieses Posts freilich mit dem Hinweis versehen, der sei verbesserungsbedürftig, weil er eher wie eine Werbung für die FDD ausschaue. Dem Kundigen fällt dazu ein, dass Electronic Intifada ja schon mal nachgewiesen hatte, dass die Englisch sprechende Israel-Lobby dafür gesorgt hatte, dass die Wikipedia-Artikel in ihrem Sinne ausfielen. Entsprechende Konsequenzen wurden seinerzeit gezogen.

Selbst nach wohl mehr oder minder eigener positiver Darstellung ist die FDD ein stock-konservativer Think Tank. Nach eigener Beschreibung “ein Politik-Institut, das daran arbeitet, die freien Nationen gegen ihre Feinde zu verteidigen.” Finanziert wird sie überwiegend von rechten zionistischen Juden. Sie kümmert sich vorwiegend um Nah-/Mittelost (womit dann auch klar sein dürfte, gegen welche ‘Feinde’ es geht), tritt ein für militärische Interventionen, bemüht sich vor allem um Kriegspropaganda gegen Iran und trachtete nach Einflussnahme auf die syrische Opposition zum Sturz Assads; vor allem stützte sie wohl eine Gruppe, die nach den ca. ein, zwei Jahre zurück liegenden innersyrischen Diskussionen bereit gewesen wäre, eine militärische Intervention durch Israel zu begrüßen. Nach meinem Eindruck blieb diese Gruppe freilich sehr klein, die anderen zogen sich umgehend von ihr zurück. Statt dessen diente sie jedoch Gruppen wie Jabhat el-Nusra und ISIL dazu, die demokratische Opposition gegen Assad als Ganze zu diffamieren und zu diskreditieren.

Zu den Hauptfinanziers des FDD gehört Sheldon Adelson, lt. Forbes-Liste 2014 auf dem 8. Platz der reichsten Menschen der Welt, der sein Vermögen mit Immobilien in Las Vegas gemacht hat. Er ist gleichzeitig einer der Hauptfinanziers der Republikaner, der sich sehr für die Wahl des Netanyahu-Freundes Mitt Romney eingesetzt und diesen auch auf seiner Reise nach Israel begleitet hatte.  Er besitzt aber auch die kostenlose israelische Zeitung Israel HaYom, die derzeit als die in Israel meist gelesene Zeitung gilt. Er hatte sie gegründet, weil ihm die israelischen Zeitungen zu linkslastig waren. Insofern ist seine Überlegung durchaus ernst zu nehmen, sich eine der großen international renommierten Zeitungen zu kaufen, um darin Public Relation für Israel zu machen. Es ist also für Adelson völlig normal und üblich, das, was er so an Geld übrig hat dafür einzusetzen, auf die Weltpolitik in seinem Sinne Einfluss zu nehmen. Welcher Art, das gibt sehr deutlich Rania Khaleks Artikel auf Electronic Intifada wieder, den sie mit reichlich Zitaten auch von Adelson auf Twitter versehen hat.

Foto Weinthal

Die USA sind nicht so weit weg, wie es scheint, und so begegnen wir hier einem Bekannten, nämlich Herrn Benjamin Weinthal. Herr Weinthal ist Journalist, einer, der für sehr viele Medien schreibt, in erster Linie wohl für die Jerusalem Post. Bekannt sein dürfte er uns von der Berliner Morgenpost; da nämlich haute er am 06.11.2014 den Artikel ‘rein, wonach das ja gar nicht ginge, dass Max Blumenthal und David Sheen einer Einladung dreier linker Abgeordneter in den Bundestag folgen dürften.

Die Absicht gibt Weinthal in diesem Artikel der Jerusalem Post vom 8. November vor: es soll in Deutschland nicht über die Anerkennung des Staates Palästina diskutiert werden. Als Zeugen führt er einen grinsenden CDU-Mißfelder an; es ist anzunehmen, dass der Weinthal willig gehorcht hat. Wie auch der Grüne Volker Beck. Nur mäßig ist dieses Ziel in auch Becks Brief an die Volksbühne (siehe hier) versteckt, der die ‘Bitte’ enthält, die dort geplante zweite Veranstaltung zu überdenken, heißt, abzusagen:

Auch gerade in Gebäuden der Kunst muss die Diskussion darüber stattfinden können, wie sinnvoll es ist, Palästina einseitig als Staat anzuerkennen … Ein so einseitig vorbelastetes Referentenduo ist in dieser Frage allerdings keine fachkundige Hilfe.

Anders gesagt: Diskussionen darf es geben, aber am Ende muss raus kommen, dass eine Anerkennung nicht sinnvoll sei, weil sie Deutschlands Ansehen schade. Eine recht zweifelhafte Behauptung, hat doch so ziemlich am gleichen Tag die EU-Chefdiplomatin eine Anerkennung Palästinas durch die EU in Aussicht gestellt. Insofern dürfte eher ein  Verbot, dies in Deutschland zu diskutieren, seinem Ansehen schaden.

Weinthal gg BlumenthalÜbrigens erscheint es auch nicht als Zufall, dass Weinthal sich in erster Linie auf Max Blumenthal eingeschossen hat, obgleich David Sheen eigentlich der aktivere war. Denn Max Blumenthal ist der Sohn von Sidney Blumenthal, ein renommierter Journalist in den USA und engagiert für die Demokraten. Er war äußerst fähiger und loyaler Berater des US-Präsidenten Bill Clinton und er wird wohl auch bereit sein, dessen Frau Hillary zu unterstützen, Grund genug, sich speziell auf dessen Sohn Max zu stürzen in der Hoffnung, damit vielleicht Sidney zur späteren Verwendung durch Hillary beschädigen zu können.

Als Hinweis nebenbei: die von ihm im Tweet erwähnte B.Z. gehört natürlich zum Axel Springer Verlag, wie auch die Bild und ehemals die Berliner Morgenpost. Springer gebietet seinen Journalisten bekanntlich vorbehaltlose Unterstützung Israels. Hier gibt es also einen recht praktischen Kreislauf: Weinthal’s Augen sehen, was die drei linken Abgeordneten da vor haben, antichambriert dagegen bei der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, deren Vorsitzender Volker Beck ist, lässt dann darüber in Springers Zeitungen berichten, die er dann international als Beleg dafür anführt, wie man sich in Deutschland über diese Sache aufregt.

Natürlich schreibt Weinthal, derzeit zwar eher selten, aber immerhin, auch für die Jüdische Allgemeine. Schon dieser Überblick über dort von ihm verfasste Artikel zeigt, dass er wohl ganz gerne deutsche Politiker zur Ordnung ruft.

Übrigens stammt auch dieser sehr wohlwollende Artikel über die Jungle World zu ihrem Zehnjährigen 2007 von Weinthal – mit verkapptem Spendenaufruf am Ende. Schon frühzeitig kam also eine auf’s Linkssein pochende Zeitung zu der Ehre, vom Mitglied eines stock-konservativen amerikanischen Think Tanks gepriesen zu werden. Honi soit qui mal y pense. So darf denn auch mal unsere Frau Elke Wittich den Duft der großen weiten Welt schnuppern.

Oder vielleicht auch Weinthals Observierungsinstrument bei dem ‘linken Gesocks’ sein, wo er wohl selber nicht so gut hin kann. Denn der in der Abteilung Recherche des FDD für u.a. Europa zuständige Herr Weinthal hat doch eine bemerkenswerte Beschreibung:

Benjamin Weinthal ist ein international anerkannter Journalist, der der FDD als Augen und Ohren auf dem Boden in Zentraleuropa dient. Er lebt in Berlin und ist ein unverzichtbares Mitglied des Iran Energy Project Teams mit einem Händchen für die Aufdeckung der Beziehungen zwischen den europäischen Energieunternehmen und dem Iran.

Der Herr Weinthal, dem sie alle, Volker Beck, Petra Pau, Mißfelder, Robbe und sogar Gregor Gysi so brav gehorcht haben, ist also israelischer Schlapphutträger.

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